Rottenburg 112 Jährige feiert Geburtstag

Strahlen kann sie bis heute: Die Rottenburgerin Elisabeth Tränkner feierte ihren 112. mit Familie, Schultes und sogar Bischof. Der Ministerpräsident schickte einen Brief.
Strahlen kann sie bis heute: Die Rottenburgerin Elisabeth Tränkner feierte ihren 112. mit Familie, Schultes und sogar Bischof. Der Ministerpräsident schickte einen Brief. © Foto: Klaus Franke
Rottenburg / Ursula Kuttler-Merz 13.08.2018

Schlag elf am Samstag kamen alle zum Gratulieren: die Urenkel, die Pfleger samt der Leitung des Pflegeheims „Haus am Neckar“, auch Rottenburgs OB Stephan Neher und der  evangelische Landesbischof Frank Otfried July – und mittendrin saß Elisabeth Tränkner, die mit einem Foto von ihr selber als junge Frau aus den 20er-Jahren um die Wette strahlte. 112 Jahre alt ist nun die gebürtige Hessin, die mittlerweile die älteste Baden-Württembergerin und die zweitälteste Deutsche überhaupt ist.

Dabei ist Elisabeth Tränkner noch immer eine starke Frau – in zweierlei Hinsicht: Bis heute gelingt es ihr erstaunlich gut, sich mit eigener Kraft im Rollstuhl fortzubewegen. Und: Sie ist noch immer gesund, nur das Hören und das Sehen sind beeinträchtigt. Ihre Schwiegertochter Ursula Tränkner weiß sich zu helfen; sie rollt eine Zeitung zum Hörrohr und hält es ihr ans Ohr: „Dann versteht sie mich gut und ist meist sehr zugänglich!“

Umzug und Kulturschock

Am 11. August 1906 kam sie als Elisabeth Triem in Frankfurt zur Welt. Nach dem frühen Tod der Mutter verbrachte sie zwei Jahre bei ihren geliebten Großeltern in Pirmasens. Als der Vater erneut heiratete, durfte das Mädchen nach Frankfurt zurück. Allerdings musste sie bald ein zweites Mal die Stadt verlassen: Als Frankfurt von den Franzosen bombardiert wurde, kam Elisabeth zu einer Bauernfamilie in den Taunus – wohlgemerkt: im Ersten, nicht im Zweiten Weltkrieg.

Der Umzug 1919 nach Rottenburg war ein Kulturschock: Statt städtischem Flair empfingen sie Kuhfuhrwerke, Misthaufen und unbefestigte Straßen. Vater Triem hatte in der Stadt eine Maschinenfabrik gekauft: eine Hammerschmiede mit großem Wasserrad, dazu ein großer Garten samt mächtigem Nussbaum – ein Abenteuerspielplatz für Elisabeth und ihre beiden jüngeren Brüder.

Der elterliche Betrieb produzierte Schuhmaschinen, Pressen und Durchnäh-Maschinen. Statt eines Autos in der Garage hatte die Familie zwei Pferde im Stall und fuhr sonntags mit der Kutsche in die evangelische Kirche. Das „andere Gesangbuch“ war im katholischen Rottenburg damals durchaus noch ein Thema: Anstatt des „Töchterinstituts Sancta Clara“ musste Elisabeth die kleine, nur zweiklassige evangelische Volksschule besuchen.

Nach Hauswirtschaftsausbildung, Haustochter-Jahr in Krefeld und Handelsschule arbeitete Elisabeth bei der Rottenburger Volksbank: „Dees war a armseligs Bänkle“, berichtet sie von der damaligen Bedeutung dieses Geld­instituts. Als ihre Stiefmutter schwer erkrankte, endete ihre Berufstätigkeit: Elisabeth musste nun die fünfköpfige Familie versorgen und obendrein in Vaters Büro aushelfen.

Hübsch, aber evangelisch

In ihrer Freizeit traf sie sich mit ihren Freundinnen oder in der Tanzstunde mit katholischen Oberschülern, deren Mütter voll Sorge darauf achteten, dass ihre Söhne der hübschen Protestantin ja nicht zu nahe kamen. Auch mit den Studenten im nahen Tübingen hatte sie Kontakt.

So unbeschwert vieles klingt: Elisabeth Tränkner hat in ihren 112 Lebensjahren viel Kummer erdulden müssen. 1939, ein Jahr nach dem Tod ihres Vaters, heiratete sie den Ingenieur Walter Tränkner. Der herzkranke Ehemann, mit dem sie zwei Kinder hatte, starb schon 1945, weil der Arzt wegen der von der Besatzungsmacht angeordneten Ausgangssperre nicht schnell genug zu Hilfe eilen konnte. Zudem starb schon in jungen Jahren ihr Schwiegersohn. Mittlerweile sind auch  ihre beiden Kinder sowie drei ihrer vier Enkel tot.

Bis zum Ruhestand arbeitete die Witwe Elisabeth Tränkner bei einer Betriebskrankenkasse. Erst als 104-Jährige kam sie in das Pflegeheim, in dem sie bis heute wohnt. Dort genoss sie am Samstag den großen Bahnhof – und freute sich über den Brief von Landesvater Winfried Kretschmann, der ihr „weiterhin noch recht glückliche Jahre bei befriedigender Gesundheit“ wünschte.

Einen Tag früher Geburtstag

Altersgenossin Genau einen Tag früher hatte die älteste Deutsche, Mathilde Mange aus Wetter an der Ruhr, ihren 112. Geburtstag gefeiert. Wie auch Elisabeth Tränkner hat sie zwei Weltkriege, Kaiser, Hitler und zwei Demokratien erlebt. Mathilde Mange ist noch ähnlich fit wie ihre Rottenburger Altersgenossin: Ihrer Pflegerin zufolge laufe sie mit dem Rollator „wie eine 20-Jährige“ und sei dankbar für jeden Tag: „Da wird man ganz bescheiden und freut sich, wenn man noch so munter ist.“

Rekord Die bis zum  Frühjahr älteste Deutsche, Edelgard Huber von Gersdorff aus Karlsruhe, war im April mit 112 Jahren gestorben. Die weltweit älteste Frau soll übrigens die Jamaikanerin Violet Brown gewesen sein. Sie starb 2017 mit 117 Jahren. dpa

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