Freiburg Die Sonne im Tank

Aus Solarstrom mach Sprit: In Freiburg können Brennstoffzellen-Autos nun an einer solaren Wasserstoff-Tankstelle befüllt werden. Foto: Fraunhofer-ISE
Aus Solarstrom mach Sprit: In Freiburg können Brennstoffzellen-Autos nun an einer solaren Wasserstoff-Tankstelle befüllt werden. Foto: Fraunhofer-ISE
Freiburg / PETRA WALHEIM 03.03.2012
In Freiburg ist die erste solare Wasserstoff-Tankstelle eingeweiht worden. Sie versorgt Brennstoffzellen-Fahrzeuge mit Sprit. Experten sehen darin die Technologie der Zukunft - auch als Alternative zum E-Auto.

Das ist schon gewöhnungsbedürftig: Der Fahrer dreht den Schlüssel im Zündschloss um - und hört nichts. Der Motor gibt keinen Laut von sich, aber er läuft. Den Beweis liefert ein kurzer Tritt auf das Gaspedal. Das Auto fährt an, leise und geschmeidig. Es wird angetrieben von einem Elektromotor, der seine Energie von einer Brennstoffzelle bekommt. Die wiederum braucht Wasserstoff, um den Strom liefern zu können. Dieser Wasserstoff kann seit gestern in Freiburg beim Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) an der landesweit ersten solaren Wasserstoff-Tankstelle getankt werden. Das Besondere an der Tankstelle ist, dass sie den Strom, der zur Herstellung des Wasserstoffs gebraucht wird, ausschließlich über Photovoltaikanlagen bezieht.

Institutsleiter Eicke Weber ist mit einem Brennstoffzellen-Fahrzeug von Ulm über Stuttgart nach Freiburg gefahren. Das sind 300 Kilometer. "Das war ein tolles Erlebnis", sagt er. Früher wäre damit in Freiburg Endstation gewesen. Nun kann das Auto an der Tankstelle wieder aufgetankt werden. Sie gilt als wichtiger Mosaikstein im Aufbau eines flächendeckenden Netzes von Wasserstoff-Tankstellen. In Karlsruhe und Stuttgart gibt es bereits Tankstellen, weitere sind in Planung. Bundesweit sind es derzeit 29. In Karlsruhe sollen bald auch Brennstoffzellen-Busse fahren.

Vorteile der Brennstoffzelle sind, dass sie ohne fossile Energieträger wie zum Beispiel Erdöl auskommt und kein klimaschädliches CO2 produziert. "Das Ziel ist, die Klimaerwärmung bei höchstens zwei Grad zu stoppen", sagt Christopher Hebling, Betriebsleiter Energietechnik am ISE. Dafür sei ein Systemwechsel notwendig - auch und gerade im Bereich der Mobilität. Hinzu kommt, dass Erdöl und Erdgas nur begrenzt zur Verfügung stehen und langsam zu Neige gehen.

Außer an der Brennstoffzelle als Stromlieferant für Elektromotoren wird auch intensiv an batteriebetriebenen Fahrzeugen geforscht. Manche Experten sehen allerdings in der Brennstoffzelle die Technologie der Zukunft. Andere meinen, eine Kombination sei der richtige Weg. Wer ein Auto für den Innenstadtverkehr brauche, sei mit einem batteriebetriebenen gut bedient, sagt Franz Loogen, Geschäftsführer der Landesagentur für Elektromobilität und Brennstoffzellentechnologie (E-Mobil BW). Batteriebetriebene Autos haben eine Reichweite von maximal 200 Kilometern - und es dauert Stunden, bis die Batterien wieder aufgeladen sind. Anders die Brennstoffzelle: Mit einem vollen Tank, in den vier Kilogramm Wasserstoff passen, können derzeit bis zu 400 Kilometer gefahren werden. Das Tanken dauert zudem nur wenige Minuten. Der Verbrauch ist extrem niedrig: Pro 100 Kilometer wird ein Kilogramm Wasserstoff verbraucht. Das entspricht etwa 2,9 Liter Benzin. Was der Wasserstoff kosten soll, wenn er an Tankstellen verkauft wird, steht noch nicht fest.

Die Tankstelle in Freiburg ist zwar öffentlich zugänglich, doch da es die Brennstoffzellen-Fahrzeuge noch nicht serienmäßig gibt, ist sie vor allem eine Forschungsplattform für das Fraunhofer-ISE. Daimler hat die serienmäßige Produktion der Fahrzeuge für 2014/2015 angekündigt. Zwei Prototypen werden demnächst für das ISE in Freiburg unterwegs sein. Auch die Stadt ist interessiert. Sie habe Prototypen in Betrieb, die gerade getestet werden, sagte Erster Bürgermeister Otto Neideck. Die Vorteile, die er in der Brennstoffzellen-Technologie sieht, sind eine deutliche Reduzierung des CO2 und sehr viel weniger Lärm. "Wir sind am Sonnenaufgang des Wasserstoff-Zeitalters", sagte ISE-Leiter Eicke Weber. Er sieht im Wasserstoff ein enormes Potenzial nicht nur als Energielieferant, sondern auch als Speicher für Strom, den Wind und Sonne produziert haben.

In Freiburg konnten gestern die Besucher Probefahrten mit Brennstoffzellen-Autos unternehmen und das Gefühl genießen, lautlos durch die Straßen zu gleiten. Für Fußgänger und Radfahrer ist das jedoch nicht ganz ungefährlich.

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