Die Pannen von Polizei und Staatsanwaltschaft

SWP 18.09.2013

Verzögerungen Die Mutter von Michèle Kiesewetter und deren Umfeld wurden bis Oktober 2010 nicht überprüft. Ermittlungen hätten "zu Spuren nach Thüringen und zum Rechtsextremismus führen können", heißt es im Bericht des NSU-Ausschusses. Am 10. März 2010 erhielt das Bundeskriminalamt den Hinweis, dass die Mordserie an neun Migranten möglicherweise von denselben Tätern wie in Heilbronn begangen worden sind. Der Hinweisgeber wurde erst 2012 vernommen.

Versäumnisse Ein Zeuge hatte bei einer Bildervorlage eine Ähnlichkeit mit einer in Heilbronn polizeibekannten Frau festgestellt. Verdeckte Ermittlungen lehnte die Staatsanwaltschaft ab. Der Onkel Kiesewetters, ein Kriminalbeamter, teilte am 4. Mai 2007 seine Vermutung mit, der Anschlag auf seine Nichte könne etwas mit den "Türkenmorden" zu tun haben. Er wurde dazu nicht vernommen.

Falscheinschätzung Zwei Tage nach dem Anschlag auf die Polizeistreife wurden fünf Taschentücher mit Blutresten, eine Zigarettenkippe, ein Ohr-anhänger, ein Herrenhemd und Wollsocken über 100 Meer vom Tatort entfernt gefunden. Eine molekulargenetische Untersuchung erfolgte wegen des angeblich großen Aufwands erst am 14. Mai 2009. Die DNA-Profile wiesen auf einen Mann und eine Frau hin.

Vergessen Das Landeskriminalamt hat eine "Operative Fallanalyse" zu den neun NSU-Morden an Migranten erstellt, aber diese Fakten und Ergebnisse nicht mit dem "Fall Kiesewetter" abgeglichen, obwohl dieser im eigenen Haus aufgeklärt werden sollte. hgf

Reibereien behindern Ermittler
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