Wenn Frauen meinen, nur durch Kompetenz und Leistung und ganz ohne Vitamin B Karriere machen zu können, sind sie aus Sicht von Klüngel-Expertin Anni Hausladen auf dem Holzweg.

"Die fachliche Kompetenz steht an zweiter Stelle", ist die Diplombetriebswirtin überzeugt. Wichtiger sei, die relevanten Leute zu kennen, zu wissen, wer etwas zu sagen hat - und auf wen man besser nicht setzen sollte. Das "Old-Boys-System" funktioniere, weil Männer wüssten, dass Kontakte mehr wert seien als Können. Dies sei umso wichtiger, da viele Stellen nicht öffentlich ausgeschrieben seien oder davor bereits besetzt. Männer täten sich leichter als Frauen, Kontakte für das berufliche Fortkommen zu nutzen.

Doch auch Frauen haben dazugelernt: Sie vernetzen sich in berufsbezogenen Organisationen wie den Business and Professional Women, in caritativen wie dem weiblichen Lions-Clubs oder gesellschaftspolitisch aktiven wie den Soroptimisten. Allein das Gründerinnenportal des Bundeswirtschaftsministeriums listet 361 verschiedene Netzwerke auf. In den großen Firmen sind interne Frauen-Netzwerke Standard. Allein beim Autobauer Daimler gibt es gleich vier davon. Schon vor Jahren stellte die Dresdner Soziologin Katrin Pittius fest, dass die wenigen Frauen, die ganz oben in der Wirtschaft mitmischen, häufig Mitglied in Frauennetzwerken sind.

Solch ein formaler Rahmen ist nach Beobachtung der Diversity Managerin des Böblinger IT-Unternehmens Hewlett Packard (HP), Eva Faenger, für Frauen besonders wichtig. Männer knüpften einfach nebenbei wichtige Kontakte. Faenger hat sich bei HP Deutschland der Frauenförderung verschrieben und damit viel Erfolg. Denn das Unternehmen mit 17 Prozent weiblichen Führungskräften belegt erneut den ersten Platz beim Frauen-Karriere-Index des Familienministeriums. Bei HP engagieren sich 60 Prozent der 2400 Mitarbeiterinnen in den bundesweit vier Frauennetzwerken. "Persönliche Kontakte sind der Kern der Frauennetzwerke", erläutert die gelernte Übersetzerin.

Netzwerke und Programme seien für Frauen auch deshalb häufig karriereentscheidend, weil sie ihre Leistung nicht gut genug verkauften und sich zu wenig zutrauten, so Faenger. "Frauen denken, sie müssten 99,9 Prozent der Anforderungen erfüllen. Bei Männern sind das vielleicht nur 60 Prozent, weil sie überzeugt sind, den Rest schon irgendwie hinzukriegen."

Der Stuttgarter Arbeitspsychologe Erik Dietl mahnt hingegen, Netzwerke nicht zu überschätzen: Sie ergänzten die Leistung lediglich. Immerhin seien bereits 30 Prozent der Führungskräfte in Deutschland weiblich. Über die strukturierte Frauenförderung hinaus müssen Frauen nach Ansicht von Hausladen mehr das tun, was für Männer selbstverständlich sei: "Sie sollten sich Zeit nehmen, sich informell mit Kollegen zu treffen und mit ihnen über Persönliches und Professionelles zu sprechen, oder sich einfach mal bei einem Kaffee bei einer Führungskraft Rat holen." Auch eine Mitgliedschaft im Golfclub könne sich auszahlen. In ihren Klüngel-Workshops lernen Frauen ebenso, sich in Bewerbungsgesprächen richtig zu präsentieren.

Auch Faenger weiß: "Wenn Sie mit Bedenken hinsichtlich ihrer eigenen Fähigkeiten beginnen, bekommt die Führungskraft kalte Füße." Die Managerin hat ihre Karriere einer Frau zu verdanken. "Mich hat damals eine Frau wachgeküsst." Ihre erste Chefin bei HP meinte: "Du kannst mehr als Sprachen" und betraute sie just mit dem Aufbau des ersten Qualitätsmanagement-Systems für den Service-Bereich. Dass Männer-Seilschaften noch immer funktionieren, zeigt sich auch in der Politik. Beispiel: Die fraktionsübergreifend geschätzte CDU-Abgeordnete Friedlinde Gurr-Hirsch bewarb sich um die Nominierung für den lukrativen Posten des Landtagspräsidenten in Stuttgart. Die männerdominierte CDU-Fraktion im Südwesten zog aber einen relativ unbekannten Mann der ehemaligen Staatssekretärin vor. SPD-Frau Sabine Wölfle kommentierte: "Wenn Friedlinde Gurr-Hirsch ein Friedbert gewesen wäre, wäre sie konkurrenzlos aufgestellt worden."

Landesregierung: Milliarden für Betreuung

Krippenplätze Sozialministerin Katrin Altpeter und Wirtschaftsminister Nils Schmid (beide SPD) sehen Frauen auch in Baden-Württemberg immer noch benachteiligt gegenüber Männern. "Führungspositionen in Politik und Wirtschaft sind nach wie vor überwiegend männlich besetzt, gleichzeitig arbeiten viel mehr Frauen als Männer in schlecht bezahlten Teilzeitjobs", teilten sie mit Blick auf den Internationalen Frauentag (8. März) mit. Bislang sitzen auch im Land nur auf 23 Prozent der Führungspositionen in der Wirtschaft Frauen. Die Landesregierung bemühe sich unter anderem um einen Ausbau der Krippenplätze und der Ganztagesbetreuung an Schulen. In diesem und kommendem Jahr stelle sie mehr als 1,5 Milliarden Euro für die Kleinkindbetreuung zur Verfügung.