Mit mehr als 1600 Hektar ist der Heidengraben die größte befestigte Siedlung der Eisenzeit in Mitteleuropa. Die noch heute sichtbaren Befestigungen umschließen ein halbinselartiges Plateau der schwäbischen Alb. Schroffe Felsformationen und steil abfallende Hänge grenzen die Fläche ab.

Hier entstand um 100 vor Christus eine spätkeltische Siedlung, die sich zu einem wirtschaftlichen und politischen Zentrum für weite Teile des damaligen Südwestdeutschlands entwickelte. Dass der Heidengraben überregional wichtig war, belegen Ausgrabungsfunde. Das Handwerk zu Keltenzeiten war breit aufgestellt: Eisen- und Bronzeverarbeitung, Keramikherstellung, Verarbeitung von Importglas. Reste italienischer Amphoren zeigen zudem, dass die Siedlung wichtig war für den überregionalen Handel vor 2000 Jahren. Die Forscher nehmen an, dass vom Heidengraben aus damals die Verbindungen Richtung Donau und Gebiete weiter im Osten kontrolliert wurden.

Fast 17 Quadratkilometer waren von Wallanlagen umgeben, insgesamt acht keltische Toranlagen konnten nach Angaben des Landesdenkmalamts nachgewiesen werden. Der Siedlungskern findet sich im Süden des Heidengrabens - nur hier wurden bisher spätkeltische Siedlungsstrukturen nachgewiesen. Das restliche Gelände, nehmen die Archäologen an, wurde wahrscheinlich landwirtschaftlich genutzt.

Dem reichen Keltenerbe wollen jetzt die drei Gemeinden in dem Gebiet vermehrt Rechnung tragen. "Wir sind gerade in der vorbereitenden Planungsphase" sagt Hülbens Bürgermeister Siegmund Ganser, "gemeinsam mit der Bürgerschaft und Archäologen".

Gearbeitet wird an einem touristischen Kelten-Projekt, das drei bis fünf Millionen Euro teuer werden wird. Hülben, Grabenstetten (beide Kreis Reutlingen) und Erkenbrechtsweiler (Kreis Esslingen) wollen es gemeinsam stemmen. Seit fast sechs Jahren schon feilen sie an dem Vorhaben, inzwischen liegen die ersten konkreten Pläne vor.

Unter dem Arbeitstitel "Erlebnisfeld Heidengraben" soll der gesamte Heidengraben nicht zum Rummelplatz, aber zur Attraktion für Besucher werden. Beispielsweise soll ein Fesselballon, gleichsam als Lift, den Besuchern einen Gesamteindruck der Anlage von oben vermitteln. In einem etwa 300 Quadratmeter umfassenden und fünf Meter hohen Gebäude, das größtenteils unter der Erde liegen wird, soll ein Rundum-Panoramabild das damalige Leben verdeutlichen - ähnlich den Panoramen, die in Assisi und Pompeji Eindrücke vom untergegangenen Leben bieten. Damit soll im Heidengraben das Fehlen von spektakulären Kelten-Funden wie in Hochdorf oder Glauberg kompensiert werden.

Wann die Pläne verwirklicht werden, ist noch offen. Ein Amphitheater und Medienstationen sollen das Erlebnisfeld abrunden. Der vorhandene Heerweg verbindet das bestehende Keltenmuseum in Graben-stetten mit einem geplanten Markt am Heidengraben, der sich in Erkenbrechtsweiler etablieren soll. Von dort aus führt der Weg weiter nach Hülben.

In dem Plan ist Hülben Ort für Feste und experimentelle Archäologie. Diese Rolle hat die Gemeinde schon angetreten: Am kommenden Wochenende findet auf dem Flugplatzgelände das zweite Keltenspektakel statt. Mehr als 8000 Besucher waren bei der Premiere 2012.

Hülben erwartet tausende Besucher zu historischem Spektakel

Keltenfest Nächstes Wochenende, 20. und 21. September, belebt Hülben die keltische Vergangenheit. Höhepunkt des Keltenspektakels ist das "Treffen der Keltenfürsten" und ihr Kampf um die Vorherrschaft auf dem Heidengraben, aufgeführt von einer Stuntmengruppe. Zudem wird in einem keltischen Gelände das Leben der damaligen Bewohner so authentisch wie möglich nachgestellt werden - zum Anfassen und Mitmachen. Für Kinder gibt es ein Keltendorf mit vielen Stationen. Ein von Archäologen angebotener geführter Rundgang soll schon jetzt den Interessierten das Erbe der Kelten auf der schwäbischen Alb näher bringen. Karten für das Keltenspektakel am Heidengraben gibt es in allen Geschäftsstellen unserer Zeitung. Im Internet: www.swp.de/ticketshop.

Archäologieschau In Erkenbrechtsweiler wurde gestern die Ausstellung "Den Kelten mit Hightech auf der Spur" eröffnet. Schautafeln, Exponate und 3-D-Animationen zeigen im Bürgerhaus bis Mitte November die Arbeitsmethoden der modernen Archäologie. eb

SWP