Bad Urach Deutschlands schönster Wanderweg verläuft bei Bad Urach

Bestnoten für den Gütersteiner Wasserfall.
Bestnoten für den Gütersteiner Wasserfall. © Foto: Alexander Thomys
Bad Urach / ALEXANDER THOMYS 12.08.2016
Der bereits als Premium-Wanderweg zertifizierte Uracher „Wasserfallsteig“ kann künftig den Titel „Deutschlands schönster Wanderweg 2016“ tragen.

Seit 2004 kürt das „Deutsche Wandermagazin“ Deutschlands schönste Wanderwege in den Kategorien eintägige „Touren“ und mehrtägie „Routen“. In der erstgenannten Kategorie holte sich nun der Uracher „Wasserfallsteig“ den Titel, der damit erstmals nach Baden-Württemberg kommt. Der rund 10 Kilometer lange Wasserfallsteig setzte sich gegen neun Mitbewerber bei einer Online-Abstimmung durch. Er bekam rund 7000 Stimmen, der Zweitplatzierte aus Nordrhein-Westfalen nur 4200 Stimmen. 22 000 nahmen an der Abstimmung teil

Als eine „absolut tolle Nachricht“ bewertete Bad Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann das Ergebnis für seine Stadt. Rebmann erinnerte zugleich an die Vorgeschichte, die schließlich 2014 zur offiziellen Einweihung der fünf Grafensteige führte. Zu diesen fünf zertifizierten Premium-Wanderwegen gehört auch der Wasserfallsteig, der den Uracher Wasserfall mit dem Gütersteiner Wasserfall verbindet.

Noch vor sechs Jahren habe das Wanderwegenetz der Kurstadt über 200 Kilometer ausgewiesen, wobei die Wanderwege zwischen 20 und 30 Jahre alt waren. „Die Trendsportart Wandern hat in dieser Zeit aber neue Wünsche und Anforderungen entwickelt“, sagte Rebmann. Die Gemeinde nahm rund 200 000 Euro in die Hand, „um das Wanderwegenetz auf den Prüfstand zu stellen und zu optimieren“.

Das Biosphärengebiet Schwäbische Alb förderte die Neukonzeption mit 12 000 Euro, bei der anschließenden Realisierung gab es 40 000 Euro Zuschüsse aus dem Tourismus-Infrastrukturförderprogramm des Landes. Die Bilanz lässt sich sehen. „Heute haben wir zwischen 150 und 160 Kilometer Wanderwege, davon 25 Rundwege einschließlich der fünf zertifizierten Grafensteige“, sagte der Bürgermeister.

Der Aufwand hat sich aus seiner Sicht gelohnt:  „Wir erhalten seitens der Gastronomen und Hoteliers viele Rückmeldungen, dass seither mehr Wanderer bei uns unterwegs sind.“ Als die Nominierung für die Wahl folgte, waren Rebmann und Torsten Clement, Amtsleiter für Tourismus, Kultur und Stadtmarketing, sofort Feuer und Flamme. „Wir haben kräftig die Werbetrommel gerührt“, sagte Clement. So ließ die Stadt vier Postkarten drucken und verteilen.  „Über 60 Prozent der Stimmen für den Wasserfallsteig kamen über die Postkarten zusammen“, so Clement weiter.

Auf der Messe „TourNatur“ will das Wandermagazin der Kurstadt den Titel offiziell am 3. September überreichen. Bad Urach wird auf dieser Leitmesse in Sachen Wandern zum dritten Mal vertreten sein. „Wir erhoffen uns natürlich einen weiteren Schub in Sachen Tourismus“, sagte Rebmann.

Doch die große Anzahl an Wanderern stelle die Stadt auch vor eine „Herausforderung“, betonte der Uracher Schultes: „Wir müssen Schäden umgehend beseitigen.“ So mussten kürzlich einige hundert Meter Wanderweg mit rund 100 Tonnen Schotter erneuert werden. Kostenpunkt: Über 12 000 Euro.

Nur das Trinkwasser sprudelt nicht Eine Wanderung auf dem Wasserfallsteig

Ob mit oder ohne Titel: Der Bad Uracher Wasserfallsteig war schon immer eine Reise wert. Gute Wanderstiefel sind aber empfehlenswert.

Bad Urach. Bis hinauf zum Uracher Wasserfall dürfte vermutlich schon jeder den „Wasserfallsteig“ einmal erklommen haben. Der Weg am Brühlbach entlang und die Treppenstufen am Wasserfall sind mit ein bisschen Kondition kein Problem – zumal das Rauschen des Wasserfalls lockt, ehe der spektakuläre Blick auf das Wasser für alle Mühen entschädigt – stürzt sich das Wasser des Bühlbachs hier doch rund 37 Meter frei in die Tiefe.

Wer dem Wasserfallsteig dann vom Wasserfall-Platau weiter folgt, der muss schon ein bisschen mehr Fitness mitbringen. Auf geschlungenen felsigen Wegen geht es stetig bergauf, wobei der Premium-Wanderweg stets gut ausgeschildert ist. Rund eineinhalb Kilometer hinter dem Uracher Wasserfall erreichen die Wanderer den Rutschenfelsen, 775 Meter über Normalnull. Der Schwäbische Albverein erinnert hier an seinen früheren Vorsitzenden Ernst Camerer. Herrlich eben führt der Wasserfallsteig nun weiter, wobei man sich in Geduld üben sollte: Die spektakuläre Aussicht auf die Felsvorsprünge wird häufig von den Bäumen versperrt. Einige Plätze mit Sitzgelegenheiten bieten dafür eine umso bessere Sicht.

Am Waldrand lässt sich die Sonne genießen, während Schmetterlinge zumindest in dieser Jahreszeit den Blick auf die kleinen Wunder der Natur schweifen lassen. Am Waldrand irritiert nur an einer Stelle ein völlig zugewachsenes Schild, das auf einen „Privatweg“ hinweist. Ergänzt um die Hinweise: „Betreten auf eigene Gefahr“ und „Lebensgefahr“. Ob diese Schilder zum Wasserfallsteig gehören, oder zu einem längst zugewachsenen Weg? Sei’s drum: Viele Wanderer dürften die Schilderkombination hinter diversen Sträuchern ohnehin kaum wahrnehmen.

Sonne tanken heißt es dann kurze Zeit später, eine Baumallee führt zum Fohlenhof des Haupt- und Landgestütes Marbach. Auf steinigen Wegen geht es nun bergab zum Gütersteiner Wasserfall. Spätestens jetzt sind gute Wanderschuhe zu empfehlen – schließlich sucht sich das Wasser seinen Weg in Richtung Maisental auch direkt über den Weg, außerdem lohnt es sich, an einigen Stellen ein wenig Nässe in Kauf zu nehmen, um den besten Blick auf den Wasserfall zu erhaschen. Schade nur, dass das „Mörike-Brünnele“ entgegen der Hinweistafel dem durstigen Wanderer zur Zeit kein Trinkwasser spendet. Dafür entschädigt am Ende des Wasserfallsteigs der grandiose Blick über das Maisental hinweg zur Ruine Hohenurach. ath

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