Stuttgart Der Wolf kommt zurück - irgendwann

Heulende Wölfe: "Er kann jederzeit bei uns auftauchen." Foto: Wildpark Bad Mergentheim
Heulende Wölfe: "Er kann jederzeit bei uns auftauchen." Foto: Wildpark Bad Mergentheim
Stuttgart / PETRA WALHEIM 09.11.2012
In Österreich und in der Schweiz leben Wolfsrudel, in den Vogesen wurden einzelne Tiere gesichtet. Es wird immer wahrscheinlicher, dass das Raubtier auch hierzulande bald die Wälder durchstreift.

Der Wolf ist ein scheuer Jäger und Wanderer. Ganz im Gegensatz zu den Vorurteilen, die in vielen Köpfen spuken, meidet er die Nähe des Menschen und streift lieber unbeobachtet durch Wald und Flur. Deshalb können selbst Experten nur schwer einschätzen, ob der Wolf schon dauerhaft da ist oder das Land nur durchquert. Michael Glock, der Wolfs-Experte des Landesverbandes des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), kann nur soviel sagen: "Es gibt keinen nachgewiesenen Wolf im Land." Eines steht jedoch fest: "Der Wolf kommt mit absoluter Gewissheit auch nach Baden-Württemberg." Daran lässt Markus Bathen, Wolfs-Experte des Nabu-Bundesverbandes, keinen Zweifel.

Gestern gastierte er mit der Ausstellung "Tour de Wolf" im Stuttgarter Landtag. Allerdings war das eine Veranstaltung nur für die Landtagsabgeordneten und speziell für Landtagspräsident Guido Wolf. Bathen möchte mit der interaktiven Ausstellung, mit der er durch das ganze Bundesgebiet tourt, auch die Politiker auf das Thema aufmerksam machen und sie darüber informieren, was zu erwarten ist. Michael Glock erwartet von ihnen, dass sie sich für die Rückkehr des Wolfes aussprechen und den Handlungs-Leitfaden, den es bereits gibt, baldmöglichst veröffentlichen.

Da in Österreich und in der Schweiz Wolfsrudel leben und in den Vogesen einzelne Tiere gesichtet wurden, müsse damit gerechnet werden, dass das Raubtier in nicht allzu ferner Zukunft auch im Schwarzwald oder auf der Schwäbischen Alb unterwegs ist, sagt Bathen. "Er kann jederzeit bei uns auftauchen", betont Michael Glock. Sobald die Jungwölfe geschlechtsreif werden, machen sie sich auf die Wanderschaft. "Sie können pro Tag 40 bis 70 Kilometer zurücklegen und tagelang ohne Riss auskommen", sagt Glock. Deshalb blieben viele unbemerkt.

Hinweise, dass Wölfe durch das Land gestreift sein könnten, gibt es viele. Im April wurde im Westerwald gleich der erste Wolf erschossen, der sich seit 120 Jahren dort hat blicken lassen. Die genetische Untersuchung hat ergeben, dass er aus den Alpen stammte. "Sein Weg in den Westerwald kann ihn nur durch Bayern, durch Frankreich oder durch Baden-Württemberg geführt haben", sagt Bathen.

Ebenfalls im April will ein Autofahrer im Hotzenwald einen Wolf gesehen haben. Seitdem gibt es jedoch keine weitere Spur mehr von einem Wolf.

Bathen weiß um die irrationalen Ängste der Menschen vor dem Wolf. Er weiß aber auch: Wenn Wolf und Mensch zusammentreffen, zieht meistens der Wolf den Kürzeren. Neun Wölfe sind in diesem Jahr in Deutschland überfahren worden. "Das ist viel", bedauert Bathen. 16 Rudel leben derzeit in Deutschland, die meisten im Osten: in der sächsischen Lausitz und in Brandenburg. Vielleicht auch in nicht allzu ferner Zukunft hierzulande. "Baden-Württemberg hat das Zeug, um Wolfsland zu werden", sagt Bathen.

Das freut nicht jeden. Die Jäger geben sich offen für die Rückkehr des Wolfes. "Die Jäger sagen Ja zum Wolf und zu einem artenreichen, gesunden Wildbestand", heißt es in einer Stellungnahme des Landesjägermeisters Dieter Deuschle. Gleichzeitig ruft er nach einem Wildtier- und Wolfs-Management-Plan.

"Wir Schäfer wollen den Wolf nicht." Der Landesschafzuchtverband bezieht klar Stellung und das, obwohl sich Wölfe zu 99 Prozent von Rehen, Hirschen und Wildschweinen ernähren. Die Schäfer fordern rechtliche Rahmenbedingungen, wie verfahren wird, wenn Wölfe Schafe reißen und Zäune zerstören. Dem Rat der Experten, die Herden mit starken Elektrozäunen und Hütehunden zu schützen, können die Schäfer wenig abgewinnen. Hunde seien nur bedingt einsetzbar, die Zäune nicht finanzierbar. Wenn Staat und Gesellschaft die Rückkehr des Wolfes wünschten, müssten von ihnen auch die Konsequenzen getragen werden, so die Forderung der Schäfer.