Bahn Der Verkehrsminister und sein Vorzeigeprojekt

Stuttgart / Klaus Rieder 05.09.2018

Für Winfried Hermann war es ein Heimspiel. Im Rahmen seiner mehr als zweiwöchigen Sommertour 2018 durchs Land stand für den Verkehrsminister eine Fahrt in einem der neuen Talent-2-Triebwagen von Stuttgart über die Murrbahn in den Landkreis Hall auf dem Programm. Diese einheitlich im Landesdesign gestalteten Züge, die bislang nur auf der Murrbahn und der Gäubahn (in Richtung Singen) zum Einsatz kommen, sind eines der wichtigsten Vorzeigeprojekte des Grünen-Ministers: Unter seiner Regie erfolgte die Ausschreibung der Verkehrsleistung und der Kauf der Talent-2-Züge durch das Land. Wie es heißt, habe er sich auch beim Erscheinungsbild der Züge eingebracht, ebenso beim Slogan „bwegt – Mobilität für Baden-Württemberg“, der den „Drei-Löwen-Takt“ ablöste. Mit Mitgliedern des von Hermann ins Leben gerufenen Fahrgastbeirats Baden-Württemberg (FGB) wurde im Zug über den Schienenpersonennahverkehr diskutiert. Und der Triebwagen war ausgerechnet der, den der Minister im November auf den Namen „Crailsheim“ getauft hatte – ein Zufall oder eine besondere Aufmerksamkeit von DB Regio? So konnte Hermann entspannt der Fahrt entgegensehen.

Der Minister verteilte zunächst Lob und Dank in Richtung des Fahrgastbeirats. „Sie setzen sich mit großem Engagement für Verbesserungen ein. Sie bringen wertvolle und konstruktive Beiträge.“  Er erinnerte dabei auch an die Testfahrten im Talent 2 mit dem Beirat im Januar 2014 und die anschließenden Beratungen.  Dabei ging es auch um Sitzabstände und das Mehrzweckabteil, die so auf Kosten des 1.-Klasse-Bereichs größer ausfielen:  „Wir haben uns in einem Kompromiss für mehr Raum für Fahrräder und Rollstühle und gegen die 1. Klasse entschieden.“ Damit wurde dem Umstand Rechnung getragen, dass „in der Vergangenheit die 2. Klasse häufig überbelegt gewesen ist, wohingegen im 1.-Klasse-Abteil noch freie Plätze zur Verfügung standen“. Als Ergebnis sei ein Zug herausgekommen, „der überwiegend auf eine positive Resonanz stößt“, sagte Hermann nicht ohne Stolz.

Es gab auch Lob für die neuen Züge vonseiten des FGB, so von Willi Rudolf. Der Rollstuhlfahrer schilderte, wie er einst im Gepäckwagen der Züge „wie eine Kiste verfrachtet“ mitfahren musste. Er mahnte aber an, dass nun auch bei den Bahnhöfen die Barrierefreiheit „zügig umzusetzen“ sei.

Dies griff Hermann auf: „Land und Bahn haben sich darauf verständigt, das auslaufende  Bahnhofsmodernisierungsprogramm fortzuführen.“ Beide bringen jeweils 150 Millionen Euro dazu ein. „Wir wollen dafür sorgen, dass die Bahnhöfe barrierefrei und schöner werden.“ Doch der Minister schränkte auch gleich ein, dass dies nicht an jedem Bahnhof und Haltepunkt gelingen wird. Einer davon wird der neue Stuttgarter Hauptbahnhof sein.  Dort werden alle Bahnsteige eine Höhe von 76 Zentimetern über der Schienenoberkante haben. Der Fußboden der Regionalzüge auf der Murrbahn wie auch viele Bahnsteige haben aber nur eine Höhe von 55 Zentimetern.  Obwohl sie noch nicht gebaut sind, würde sich an den Bahnsteighöhen nichts mehr ändern lassen.

Einen Kritikpunkt gab es am Ende dann doch noch an die Adresse des Ministers: die immer wieder überfüllten Züge. Hermann machte aber klar: Es sei nicht möglich, so viele Züge zu beschaffen, um auch in Hauptverkehrszeiten mögliche Engpässe zu vermeiden. Eine Lösung könnte der „virtuelle Zug“ bieten: Neben Infos beispielsweise zu Verspätungen und zu den Fahrradstellplätzen im Zug könne dieses geplante System auch dazu dienen, die Reisenden vorab über die Besetzung der Züge zu informieren. „Das wird noch etwas dauern, es ist aber unser Ziel“, so der an diesem Tag sichtlich gut gelaunte Minister.

Der Fahrgastbeirat Baden-Württemberg

2012 wurde der Fahrgastbeirat Baden-Württemberg auf Initiative von Winfried Hermann gegründet.

Fahrgäste, die Interesse an einer Mitglied­schaft haben, können sich bewerben.

Der Beirat stellt als beratendes Gremium ein Bindeglied zwischen den Fahrgästen und dem Land Baden-Württemberg dar und vertritt die Interessen der Nutzer des vom Land bestellten Schienenpersonennahverkehrs (SPNV).

Die Amtszeit des Fahrgastbeirates läuft drei Jahre. 2019 beginnt die Mitgliedersuche für die vierte Amtsperiode. Informationen erteilt die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (www.nvbw.de/aufgaben/fahrgastbeirat).

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