Der Stuttgarter OB Fritz Kuhn (Grüne) will mit einem Aktionsplan für nachhaltige Mobilität Schadstoffe, Staus und Lärm in der Landeshauptstadt stark reduzieren. "Wir wollen den öffentlichen Nahverkehr verbessern, das Radwegenetz erweitern, den Fußgängerverkehr erleichtern, und wir wollen Anreize schaffen, den konventionell motorisierten Individualverkehr zu reduzieren", kündigte Kuhn an.

Mittelfristig sollten 20 Prozent weniger herkömmlich betriebene Autos auf den Stuttgarter Straßen fahren als heute, sagte Kuhn. E-Autos seien von dieser Kalkulation aber ausgenommen. Sein Mobilitätskonzept richte sich dabei nicht gegen Daimler, Porsche oder Bosch - im Gegenteil: "Auch für die Automobilindustrie ist eine Region, die mobil unterwegs ist, besser als eine Region, die im Stau steht."

Der Aktionsplan bündelt eine Fülle bereits laufender und einiger neuer Aktivitäten. Er steht aber noch unter Finanzierungsvorbehalt des Gemeinderats, auch wenn für Kuhn die Marschrichtung bereits feststeht: In den nächsten zehn bis 15 Jahren, sagte der OB, werde die Stadt kräftig in den öffentlichen Nahverkehr investieren müssen.

ÖPNV: Der öffentliche Nahverkehr bildet das Rückgrat der Pläne. Bus- und Bahnverbindungen sollen ausgeweitet, die Pünktlichkeit verbessert und die Tarifstruktur vereinfacht werden. Wesentlich für den Ausbau des ÖPNV zur starken Alternative für den Autoverkehr gerade für Pendler sei aber, dass der S-Bahn-Verkehr in der Region Stuttgart wieder pünktlicher werde, mahnte Kuhn die Deutsche Bahn.

Berufsverkehr: In Stuttgart arbeiten zirka 472 000 Menschen. 55 Prozent davon wohnen außerhalb, wovon wiederum 60 Prozent mit dem Auto in die Stadt fahren. Für Herbst hat Kuhn deshalb einen Mobilitätskongress angesetzt, um mit den Arbeitgebern zu besprechen, wie sie ihre Mitarbeiter zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel bewegen können. Die Stadt will mit gutem Beispiel vorangehen und ihren Beschäftigten mit Zuschüssen ein verbilligtes Jobticket für den ÖPNV anbieten, aber auch das Radfahren durch neue Stellplätze oder Duschen attraktiver machen.

Fahrrad: Fahrradfahrer machen in Stuttgart nur sechs Prozent der Verkehrsteilnehmer aus. Im Bundesschnitt liegt der Anteil bei 15 Prozent, was Kuhn auch für die Landeshauptstadt anstrebt. Dank E-Bikes sei Stuttgarts Topografie keine Ausrede mehr. Fortschritte sollen der rasche Ausbau der Hauptradrouten und Radschulwegpläne bringen.

Auto: Den Autoverkehr will Kuhn besser steuern. Geplante Maßnahmen umfassen die Umsetzung von Tempo 40 vorrangig an Steigungen, eine Staffelung der Parkgebühren (am Straßenrand teurer als in Parkhäusern, Parkhäuser teurer als ÖPNV) sowie der Ausbau von E-Autos- und Carsharing-Angeboten.

Gegen den Dauer-Stau