Rust Europa-Park: Der Tag nach dem Großbrand

Rust / Karl Kovacs 28.05.2018
Ein Feuer auf dem riesigen Freizeitgelände in Rust richtet einen Millionenschaden an. Am Tag danach ist Normalbetrieb.

Wer am Sonntag zum Haupteingang des Europa-Parks geht, dem kommt nach der vergangenen Nacht sicher ein Song in den Kopf: „The Show must go on“ der legendären Queen. Kurz vor 9 Uhr ist der Parkplatz des Vergnügungsparks in Rust schon gut gefüllt. Familien, junge Paare, alte und junge Menschen sind gekommen, um einen Tag lang Spaß zu haben. An der Taschenkontrolle und vor den Eingängen bilden sich Schlangen. Dass am Samstagabend bis in die Nacht eine dicke Rauchwolke über dem Park hing, scheint keine Rolle zu spielen.

500 Einsatzkräfte der Feuerwehr

Am Samstag war gegen 18.30 Uhr ein Feuer ausgebrochen, das sich zu einem Großbrand entwickelte. Mehr als 500 Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW und DRK aus ganz Südbaden waren im Einsatz. Kein Parkbesucher wurde verletzt, sieben Einsatzkräfte zogen sich leichte Verletzungen zu.

Im deutschen Themenbereich direkt hinter dem Eingang spielen Musiker wie gewohnt. Auf dem Weg in den holländischen Themenbereich ein Hinweisschild: „Liebe Besucher, die Themenbereiche Holland und Skandinavien sind bis auf Weiteres gesperrt. Vielen Dank für Ihr Verständnis“, steht da in mehreren Sprachen.

Wer weitergeht, bemerkt Rauchgeruch in der Luft. Feuerwehrleute kommen einem entgegen. Hinter dem Foodcourt liegen Schläuche im Weg. Trümmer liegen auf dem vom Löschwasser dunkel gefärbten Boden. „Koffiekopjes“, die wilden Kaffeetassen, ein Fahrgeschäft, ist nicht zu erreichen. Blaue Absperrwände sind vor dem zentralen Platz des holländischen Areals errichtet worden. Ein Wachmann passt auf.

„Piraten von Batavia“ zerstört

Fotos, Videos und neugierige Blicke kann er aber nicht abwehren. Auch Besucher, die noch nichts vom Brand mitbekommen haben, wissen jetzt Bescheid. Besonders traurige Blicke gehen in Richtung der „Piraten von Batavia“. Die Wasserbahn gibt es seit 1987. Seither haben Millionen Menschen Millionen Fahrten damit gemacht. „Ich war früher immer drin, als ich mit der Familie im Park war“, sagt ein junger Mann. Manch einer gab seiner Angebeteten den ersten Kuss im Dunkeln, wie ein Mann Mitte 30 berichtet.

Das ist vorbei. Zumindest auf unbestimmte Zeit. Die Bahn wurde beim Brand vollkommen zerstört. Auf Twitter und Facebook trauern Vergnügungspark-Fans den Piraten nach. Weitere Bahnen waren vom Feuer wohl nicht betroffen. Dennoch bleiben zwei weitere Fahrgeschäfte am Sonntag vorsichtshalber dicht.
  Das Ausmaß der Zerstörung kann beim Blick hinter die Absperrungen nur erahnt werden. Aus einigen der Gebäude tritt noch Rauch aus Glutnestern aus, Wehrleute spritzen Wasser. Etwas weiter hat man einen freien Blick auf das Skandinavien-Gelände. Oder auf das, was davon übriggeblieben ist. Ein Feuerwehrwagen steht auf einem Platz, Einsatzkräfte ruhen sich nach der langen Nacht aus. „Wir sind um vier Uhr gekommen“, sagt ein Kamerad aus Kippenheim.

Beifall für die Feuerwehr

Parkbesucher applaudieren den Feuerwehrleuten am Sonntag spontan – sicher eine Wohltat für die sichtlich erschöpften Einsatzkräfte. Die Zahl der Verletzten stieg über Nacht von drei auf sieben. Sie alle erlitten leichte Verletzungen durch den Rauch oder waren schlicht am Ende ihrer Kräfte, wie Yannick Hilger von der Polizei Offenburg sagt. „Alle wurden behandelt, keiner musste ins Krankenhaus.“

Dass angesichts der Lage vor Ort nur sieben Einsatzkräfte, aber keine Besucher oder Mitarbeiter des Parks überhaupt verletzt wurden, grenzt an ein Wunder. „Das ist das Wichtigste“, sagt denn auch ein sichtlich mitgenommener Jürgen Mack, einer der Inhaber des Parks, am Sonntag. „Es ist eine emotional schwierige Situation.“ Wie es weitergeht? „Das müssen wir abwarten und in einigen Wochen entscheiden“, meint Mack.

Ähnlich äußert sich auch Pressesprecherin Corina Zanger: „Wir werden sehen, ob es die Piraten wieder so wie früher oder mit einem neuen Konzept geben wird.“
  Das Feuer war am Sonntagmorgen gelöscht. Kleinere Brandherde wurden aber noch bekämpft. Die Kriminaltechnik hat ihre Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen, sagt Hilger. Unterstützt werden sie von Sachverständigen des Landeskriminalamts. Das, betont Hilger, könne nicht als Hinweis auf Brandstiftung gewertet werden. „Es ist gängige Praxis, dass man nach solchen Bränden die Expertise der Kollegen braucht.“ Es sei viel zu früh, um etwas über die mögliche Ursache zu sagen.

Park geht von Millionenschaden aus

Über das genaue Ausmaß und die Höhe des entstandenen Schadens konnten die Behörden gestern noch keine Angaben machen. Der Park geht aber von einem Millionenschaden aus. Drei von insgesamt rund 100 Attraktionen seien nicht nutzbar.

Polizeisprecher Hilger lobt den  Ablauf der Evakuierung während der Brandkatastrophe. „Alles verlief zügig, professionell und sehr geordnet. Sowohl von Seiten des Parks als auch der Besucher.“ Das Sicherheitskonzept des Parks, betont Parksprecherin Corina Zanger, habe gut funktioniert. „Die Werkfeuerwehr war schnell vor Ort.“ Im Park sind 30 Feuerwehrleute beschäftigt. Sie verfügen über mehrere eigene Fahrzeuge.

Die Show im Europa-Park geht weiter. Chef Jürgen Mack ist am Sonntagvormittag schon auf dem Weg zu „Immer wieder sonntags“ mit Stefan Mross. Noch in der Nacht war unsicher, ob der Park überhaupt öffnen kann. Die Normalität im Park am Tag danach zeigt aber deutlich: „The Show must go on“.

„Schrecksekunde“ für Stefan Mross

Nach dem Großbrand hat die ARD „Immer wieder sonntags“ gestern wie geplant aus dem Europapark übertragen. Moderator Stefan Mross sprach im Zusammenhang mit dem Brand von einer sehr langen „Schrecksekunde“. „An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei allen Einsatzkräften bedanken, bei allen Helfern des Europa-Parks“, sagte Mross in der Sendung.

Bei strahlendem Sonnenschein eröffnete der Moderator die Sendung am Sonntag. Kameraschwenks zeigten jubelnde Zuschauer und blauen Himmel. Der Parkbetrieb wurde gestern wie geplant wieder aufgenommen. Ein Europapark-Sprecher  twitterte am Sonntagmorgen, die Themenbereiche Skandinavien und Holland stünden aber vorerst nicht zur Verfügung. dpa

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