Land am Rand Der Südwesten hat keine Hamster-Lobby

Schmählich vernachlässigt: Ein baden-württembergischer Feldhamster schaut traurig aus seinem Bau bei Mannheim-Bösfeld. Die Bundesregierung hat kein Herz für Südwest-Nager.
Schmählich vernachlässigt: Ein baden-württembergischer Feldhamster schaut traurig aus seinem Bau bei Mannheim-Bösfeld. Die Bundesregierung hat kein Herz für Südwest-Nager. © Foto: Uwe Anspach/dpa
Stuttgart / Roland Müller 17.08.2018

Es ist ein Skandal, so muss man das mittlerweile sagen: Baden-­Württemberg, dieses weltoffene Wohlfühl-Paradies und wirtschaftliche Powerhouse, wird politisch geschnitten, ja diskriminiert. Ein Beispiel: Da berät eine „Kohle-Kommission“ gerade über die Energie-Zukunft der Republik – und der Südwesten sitzt nicht mit am Tisch, dafür aber das Saarland. Das Saarland!

Der nächste Nackenschlag: Klammheimlich hat die Bundesregierung in der Sommerpause ein Modellprojekt ausgelobt: Die Initiative „Feldhamsterland“ soll der Landwirtschaft helfen, Lebensräume für die vom Aussterben bedrohten Nager zu finden. Und jetzt raten Sie mal, wer wieder nicht mitmachen darf? Richtig, dafür können die Gauner aus Thüringen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen­-Anhalt und Hessen 3,4 Millionen Hamster-Euro aus dem Umweltministerium unter sich aufteilen. Geht’s noch?

Wozu haben wir denn bei Mannheim eine fast 400-köpfige Kolonie wild lebender Feldhamster, die wir (auf einer Fläche, nur wenig kleiner als das Saarland) seit Jahren hegen und päppeln? Sogar der Bau der SAP-­Arena hat sich dadurch verzögert – und damals waren noch nicht mal die Grünen an der Macht! Wozu sammeln wir bei Stuttgart 21 wertvolle Erfahrungen mit Artenschutz und Tier-Umsiedlungen? Bloß damit irgendwo zwischen Wetzlar und Baunatal jetzt Umweltbüros ne schnelle Mark machen können? Sind Südwest-Hamster etwa Nager zweiter Klasse?

Land am Rand sagt: Nein. Das Maß ist voll – Zeit für Grün-Schwarz, in Berlin dicke Backen zu machen.

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