Reutlingen Der singende Finanzbürgermeister Peter Rist

Reutlingen / RAIMUND WEIBLE 28.11.2012
Der Reutlinger Finanzbeigeordnete Peter Rist hat sich mit einem peinlichen Auftritt blamiert. Der „singende Bürgermeister“ flocht in seine Haushaltsrede Schlagertexte ein, die er singend vortrug.
Bis Juni 2103 ist Peter Rist Finanzbürgermeister von Reutlingen. Dann endet seine achtjährige Amtszeit. Er wird nicht mehr antreten sondern strebt eine Karriere als Schlagersänger an. Deswegen hat er auch schon den Spitznamen „Schalala-Bürgermeister“ abbekommen.

Zahlreiche Gemeinderäte wären ihn schon heute gerne los. Sie halten ihn für einen schwachen Bürgermeister. Der andere Grund: Sie finden, dass sich Rist lächerlich macht; das Amt beschädigt.

Was ist passiert? In seine Haushaltsrede im Ratssaal flocht Rist Schlagertexte ein, die er singend vortrug. Wobei er aus einem reichen Zitatenschatz schöpfte. Er beschied sich nicht mit den von Kämmerern gern augenzwinkernd verwendeten „Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld“. Nein, er ging äußerst phantasievoll vor.

Bei Udo Jürgens und Peter Alexander wurde Rist am häufigsten fündig. Auch bei Juliane Werding. Mit ihrem „Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur du denkst“ kommentierte Rist Prognose des ministerialen Haushaltserlasses. Zum Thema, wie der steigenden Verschuldung zu begegnen sei, fiel ihm Nenas „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ ein. An anderer Stelle stimmte er Peter Alexanders „Ich zähle täglich meine Sorgen“ an. Das sei zur heimlichen Hymne des Finanzdezernats bei der Haushaltsaufstellung geworden, bemerkte Rist dazu. Insgesamt 23 Zitate baute Rist in seine Rede ein, davon 20 aus Schlagern, die er zum Teil in melodischem Sprechgesang vortrug, zum Teil richtig intonierte.

Oberbürgermeisterin Barbara Bosch und die anderen Beigeordneten verfolgten den Auftritt mit versteinerten Mienen. „Oberpeinlich“, sei die Einlage gewesen, hieß es hinterher, Rist habe damit die Stadt lächerlich gemacht. Er selbst erzählte seinen Fans auf Facebook, er habe bei der Haushaltsrede eine Aufgabe erfüllen müssen, „die mir sehr schwer fiel“. So habe er es mit Humor versucht. „Und dabei“, wie Silke Bayer von der SPD-Fraktion antwortete, „fast alle zum Weinen gebracht“.

Empörend fanden viele Gemeinderäte, dass ein Filmteam Rists Auftritt aufnahm. Das wirkte wie bestellt, um Rists Ruhm als singender Finanzbürgermeister zu mehren und ihm seinen Übergang in die neue Rolle zu erleichtern. Um Werbeaufnahmen handelte es sich nicht, wie sich inzwischen herausstellte. Gedreht hatten seriöse Dokumentarfilmer vom Mainzer „Nachtschwärmerfilm“, die aus eigenem Antrieb angerückt waren.

Dennoch blieb ein schaler Geschmack zurück. Unter den Räten verstärkt sich der Verdacht, dass Rist im Amt seine künftige Karriere vorbereitet. Dass er seine Position benutzt, um seine Bekanntheit zu steigern. Rist hat einen 250-Millionen-Euro-Haushalt zu verwalten. Stadtrat Ulrich Lukaszewitz (SPD) glaubt: „Rist hat sich innerlich schon verabschiedet.“

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