Den ganzen Nachmittag debattierten gestern Politik und Bahn – wieder einmal erfolglos. Das Thema im Lenkungsausschuss von S 21 wurde schon oft debattiert: der Anschluss des Landesflughafens auf den Fildern an den Stuttgarter Tiefbahnhof und an die Neubaustrecke nach Ulm. Ein Ergebnis zeitigte die zwölfte Sitzung des Lenkungskreises dann doch: „Wir müssen jetzt politisch reden, alles muss auf den Tisch“, sagte Stuttgarts OB Fritz Kuhn (Grüne), und setzte hinzu: „Der Bund ist der Chef der Bahn.“

Soll heißen: Die Projektpartner, also Land, Region, Flughafen, Landeshauptstadt und Bahn treten auf der Stelle, es braucht mindestens einen Moderator, besser Mediator – und am besten einen, der die Brieftasche aufmacht. Deshalb soll demnächst auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) in die Debatte um den Flughafenbahnhof einbezogen werden. Soweit ist man einer Meinung.

Worum geht es? Alle Beteiligte ahnen, dass jener Teil des Flughafenbahnhofs, der die Gäubahn aus Zürich an den neuen Bahnknoten und die Neubaustrecke nach Ulm anschließt, zum Nadelöhr werden könnte. Die aktuelle Planung sieht vor, dass hier Fernzüge auf S-Bahn-Gleisen fahren und die Hälfte des bestehenden S-Bahnhofs belegen. Dieser Mischverkehr könnte, fürchten die Kritiker, den Nahverkehrsfahrplan durcheinanderbringen und für Verspätungen sorgen.

Geschickter konnte die Bahn aber vor zwölf Jahren gar nicht planen. Denn erst vor gut zwei Jahren machte die Flughafengesellschaft den Bauplatz frei für eine Alternative unter der Haupterschließungsstraße des Airports. Nun könnte dort ein gemeinsamer Bahnhof für alle Fernverkehre entstehen, die S-Bahn bliebe unter sich. Diese Variante ist jedoch rund eine Viertelmilliarde teurer als die aktuelle, noch nicht planfestgestellte Lösung.

Während die Region, gestützt auf eine breite Mehrheit aus CDU, SPD, FW und FDP, für zusätzliche Landesmittel wirbt, lehnen Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne)und OB Kuhn eine weitere Finanzspritze strikt ab. Für mehr als sechs Milliarden Euro, sagt Hermann, könne man ja wohl einen ordentlichen Flughafenbahnhof erwarten. Kuhn ist konzilianter: „Alle öffnen sich, ob es nicht doch eine bessere Lösung gibt.“

Wann das Gespräch in großer Runde stattfindet, ist unklar. Es muss auch nicht gleich der Chef sein: Durchaus schneller, so Volker Kefer, der Technikvorstand der Bahn, könne man sich ja mit Dobrindts Staatssekretär an einen Tisch setzen. Eine komplette Neuplanung, würde die Fertigstellung des Flughafenanschlusses um zwei Jahre verzögern, so Kefer. Der Rest des Milliardenprojekts, also Stuttgart 21 und die Neubaustrecke, sind davon nicht betroffen, sie können unabhängig von der Station am Flughafen in Betrieb gehen.

Ein weiteres Nadelöhr ist das Eisenbahn-Bundesamt. Derzeit arbeitet dort ein halbes Dutzend Beschäftigte an S 21. Deren Zahl solle verdoppelt werden, fordert der Lenkungskreis. Durchweg positiv hingegen ist die finanzielle Lage: Das 6,5-Milliarden-Projekt ist preislich im Rahmen. Der Puffer für Kostensteigerungen, so Kefer, sei erst zu einem Viertel ausgeschöpft.