Stuttgart Der Kompromiss auf den Fildern und seine Folgen

Stuttgart / FABIAN ZIEHE 11.03.2015
Die Projektpartner haben sich auf einen neuen Filderbahnhof geeinigt. Wie geht es weiter? Klar ist: Ein S-21-Teilstück wird verspätet fertig. Aber das erhöht die Chance, die Schnellbahntrasse 2021 zu eröffnen.

Ist es das Überschreiten einer roten Linie oder ein Kniff, um die Linie zu halten? Die Mitteilung der Bahn gestern ermöglicht beide Lesarten. Projektchef Manfred Leger reagiert in der Erklärung auf die Pläne für einen verbesserten Flughafen-Anschluss ("Drittes Gleis"), den die Projektpartner Bahn, Land, Stadt und Region Stuttgart am Freitag vereinbart hatten: Er kommt nun zum Schluss, den bisherigen Planabschnitt 1.3 zu teilen.

Die Idee: Auch wenn auf den Fildern nicht alle Arbeiten rechtzeitig bis 2021 fertig werden, könne man die Schnellbahn-Gleise samt Flughafen-Halt trotzdem schon eröffnen. Diese beiden Teile bilden künftig den Planabschnitt 1.3a. "Unser Ziel ist es, dass das Gesamtprojekt mit der Anbindung des Flughafens im Dezember 2021 in Betrieb geht", sagt Leger. Dafür braucht die Bahn bis Ende dieses Jahres Baurecht - ein "sportlicher Zeitplan", so ein Bahnsprecher. Aber machbar.

"Dies ist möglich, wenn wir die gewünschten Änderungen vom restlichen Abschnitt trennen", sagt Lenger. Der um ein drittes Gleis erweiterte S-Bahn-Station Terminal und die Rohrer Kurve werden also erst ein bis zwei Jahre später fertig. Denn dieser Abschnitt 1.3b bedarf intensiver Neuplanungen, derweil Abschnitt 1.3a im Grunde der bisherigen Antragstrasse entspricht, die sich derzeit schon im Planfeststellungsverfahren befindet.

Der Trost für den Flughafen: Im Rahmen des Deals von Freitag soll nun zügig der Bahnhof Stuttgart-Vaihingen für Regionalzüge ausgebaut werden. Passagiere der Gäubahn können dort dann in die S-Bahn zum Flughafen umsteigen und so auf dem Weg zum Flieger Zeit sparen.

Offen blieb bislang die Frage nach den Kosten. Viele Zahlen kursierten nach dem Treffen der Projektpartner. Da Bahn und Region die Kosten erst mit ihren Gremien debattieren müssen, gab es noch kein offizielles Statement. Nach Recherchen dieser Zeitung beziffern die Projektpartner die Mehrkosten des Deals auf 95 Millionen Euro.

Die Bahnhof-Variante "Drittes Gleis" schlägt mit 80 Millionen zu Buche. Die Region trägt davon ein Fünftel. Die Bahn übernimmt offiziell den Rest - effektiv aber teilt sie sich die Kosten mit dem Land. Das bestellt nämlich mehr Verkehr für die Gäubahn - was dem Konzern höhere Trasseneinnahmen bringt. 30 Millionen Euro werden dafür angesetzt.

Die 10 Millionen Euro für die Rohrer Kurve teilen sich Bahn und Land. Das Land baut zudem den Vaihinger Bahnhof aus, was nicht zum S-21-Projekt gehört. Kosten: 5 Millionen Euro. Wenn S 21 fertig ist, kann der Halt für Regionalzüge weiter genutzt werden: als Ausweichstopp, als Endpunkt für Züge aus dem Süden oder als Station auf dem Weg nach Stuttgart - sollte die bisherige Gäubahn-Trasse ("Panorama-Bahn") doch noch in den Stuttgarter Tiefbahnhof eingeleitet werden.

Sofern alle Beteiligten dieser Kostenaufteilung zustimmen, die Untersuchungen zur Trassenführung und die verfahrenstechnischen Fragen geklärt sind, soll der Deal beim Lenkungskreis-Treffen am 20. April per Unterschrift besiegelt werden. Dann könnte es auch Klarheit geben zu der von Region und Stadt gewünschten Option, zu einem späteren Zeitpunkt die S-Bahn ins Neckartal zu führen. Allerdings müsste dafür die Abzweigung nach Plochingen ("Wendlinger Kurve") für Personenzüge ertüchtigt werden - neckarabwärts ist nur eine Ausschleifung für Güterzüge geplant.

Obgleich die Projektpartner kaum mehr ein Wort zur aufs Eis gelegten Variante "Filderbahnhof Plus" verlieren, will die CDU diese teurere, aber in mancher Hinsicht bessere Bauvariante noch nicht zu den Akten legen. Sie hat für heute im Landtag eine Debatte beantragt. Thema: "S-21-Filderbahnhof, wo kein Wille da kein Weg".

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