Unwetter Großalarm im Schwarzwald – Hochwasser macht Südwesten zu schaffen

dpa 05.01.2018
Regen, Schneeschmelze, Hochwasser: Im Schwarzwald rutschen Geröllmassen von Hängen. Hilfskräfte erleben den ersten Großeinsatz des Jahres. Und einige Leichtsinnige ignorieren alle Warnungen.

Dauerregen und Schneeschmelze haben im Südwesten Hochwasser, Überschwemmungen und Erdrutsche ausgelöst. Am Donnerstagabend spitzte sich Lage in St. Blasien im Hochschwarzwald zu. Dort wurden Häuser wegen Überschwemmung und eines Erdrutschs geräumt. Rund 120 Anwohner kamen in einer Halle unter. Die Pegelstände der meisten kleineren Flüsse und Bäche gingen nach einer kurzen Hochwasserspitze rasch wieder zurück. Für Rhein, Donau und Neckar erwarten Hochwasserexperten die Höchststände am Samstag. An vielen Orten trafen die Behörden Sicherungsmaßnahmen, etliche Wege und Straßen wurden gesperrt. Auf Abschnitten von Rhein und Neckar stoppten die Behörden die Schifffahrt.

Im Laufe der Nacht auf Freitag entspannte sich die Lage in den am stärksten betroffenen Orten im Schwarzwald bereits wieder. In St. Blasien kehrten die Menschen in ihre Häuser zurück. In der Nacht habe man aber darüber nachgedacht, Katastrophenalarm auszulösen, sagte ein Polizeisprecher am Morgen. Rettungskräfte waren mit einem großen Aufgebot im Einsatz. Wie hoch der Schaden ist, war am Freitag noch unklar.

Innenminister Thomas Strobl (CDU) dankte den mehreren Tausend Helfern unter anderem von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Bergwacht für ihren Einsatz. Das Ministerium warnte davor, dass es wegen durchnässter Böden und hoher Wasserstände auch in den nächsten Tagen noch zu Hangrutschen, umstürzenden Bäumen und vollaufenden Kellern kommen könne. Uferbereiche und Wälder sollten nicht betreten werden.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) hatte es in St. Blasien in 24 Stunden 127 Liter Regen pro Quadratmeter gegeben. Binnen dreier Tage seien es 187 Liter gewesen. Dazu kam Schneeschmelze in den Höhenlagen wegen der milden Temperaturen. Im Nordschwarzwald (Baiersbronn) fielen 92 Liter Regen innerhalb von 24 Stunden. Der Regen soll am Wochenende von trockenerem Wetter abgelöst werden.

Die Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg stellte in der Nacht eine starke Gefährdung für viele Teile des Landes fest. Bei einer solchen Warnlage sind auch Überflutungen von bewohnten Gebieten zu befürchten. Ab Freitagmittag galt aber nur noch eine mittlere Gefährdung in den Kreisen Freiburg, Breisgau-Hochschwarzwald und Waldshut. Für den größten Teil des Landes sank das Risiko auf die Stufe „mäßig“.

Am Freitagvormittag überstieg der Rhein am Pegel in Karlsruhe die Marke von 7,5 Metern, bei der die Schifffahrt zwischen Iffezheim und Germersheim eingestellt wird. Der höchste Wasserstand sollte nach der Prognose in der Nacht zum Samstag mit etwa 8,30 Meter erreicht werden. Der mittlere Wasserstand des Rheins bei Karlsruhe beträgt 5,16 Meter. Auch auf dem Neckar zwischen Mannheim und Heilbronn wurde die Schifffahrt wegen des Hochwassers eingestellt.

Die Stadt Riedlingen (Kreis Biberach) traf Schutzmaßnahmen gegen das Hochwasser der Donau. Die Durchlässe an Hochwasserschutzwänden und -wällen wurden verschlossen. „Wir erwarten ein fünfjähriges Hochwasser“, sagte Bürgermeister Marcus Schafft (CDU). Zur Stimmung in der Stadt sagte er: „Die Leute sind relativ gefasst, wir hatten schon stärkeres Hochwasser in der Vergangenheit.“ Die Kommune habe seit 2014 etwa vier Millionen Euro in den Hochwasserschutz investiert. Probleme bereite allerdings der steigende Druck im Grundwasser, das schon am Freitag in einige Keller eingedrungen sei.

Auch am unteren Neckar gab es Überschwemmungen mit gesperrten Straßen und vollgelaufenen Kellern. In Heidelberg wurde die Bundesstraße 37 im Bereich der Altstadt gesperrt.

Manch einer ignorierte freilich sämtliche Hochwasserwarnungen. So begaben sich vier junge Leute in einem Schlauchboot zu einer Flussfahrt auf die Murg. Die Polizei holte sie unweit von Kuppenheim an Land und beschlagnahmte das Schlauchboot.

In Tuttlingen nutzten zwei junge Männer das Hochwasser der Donau, um sich im Surfen zu üben. Dafür banden sie sich an einer wellenreichen Verengung der Donau mit Seilen an einer Brücke fest, wie die Polizei mitteilte. Passanten schlugen Alarm. Die Polizei untersagte die Surfübungen.