Mannheim Das Opfer geschändet

Mannheim / ULRICH WILLENBERG 28.06.2014
Wegen Mordes an einer Austauschstudentin und anderer Delikte muss ein 41-Jähriger lebenslang hinter Gitter. Das Mannheimer Landgericht ordnete gestern zudem Sicherungsverwahrung für den Mann an.

Das Mannheimer Landgericht hat den Mörder einer litauischen Gaststudentin gestern zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Strafkammer ordnete zudem die Sicherungsverwahrung an und stellte die besondere Schwere der Schuld fest. Die Richter befanden den 41-Jährigen auch wegen Überfällen auf eine Frau in Speyer und zwei Teenager in Grünstadt (beides Rheinland-Pfalz) für schuldig. In seiner Heimat hatte der Bulgare bereits 16 Jahre im Gefängnis verbracht, auch wegen Überfällen auf zwei Frauen. Die Verteidigung will Rechtsmittel einlegen.

Die angehende Psychologin Gabriele Z. wollte für ein Semester in Mannheim studieren. Am Abend des 3. Oktober 2013 hatte sie sich an der Universität einen Film angesehen. Auf dem Weg nach Hause lief sie ihrem Mörder in die Arme, der davor seinen Bruder besucht hatte. Der Bulgare drosselte die 20-Jährige mit ihrem Schal, bis sie bewusstlos wurde, zerrte sie in ein Gebüsch unter einer Autobrücke. Dann habe er sich an diesem "trostlosen Ort" an dem Opfer vergangen, sagte der Vorsitzende Richter Ulrich Meinerzhagen. Unklar ist, ob die Frau da bereits tot war. Mit dem geraubten Handy fuhr der Mann zu seiner Unterkunft in Grünstadt und plauderte dort mit Kollegen.

Offenbar unbeeindruckt von dem Verbrechen überfiel der Bulgare zwei Wochen später zwei Teenager im pfälzischen Grünstadt. Die beiden Mädchen, die sich mit Messer und Schere wehrten, wurden leicht verletzt. Der Täter erbeutete Kleingeld und wertlosen Schmuck.

Viel schlimmer traf es eine 48-Jährige, die der Mann Monate zuvor in Speyer beraubt und schwer verletzt hatte. Der Bulgare habe die Frau ins Gesicht geschlagen und gewürgt. "Sie leistete heftigen Widerstand und kämpfte um ihr Leben", sagte Meinerzhagen. Daraufhin habe der Täter seine Tötungsabsicht aufgegeben und sei mit der Tasche des Opfers geflohen. Einige Tage nach dem letzten Überfall wurde der 41-Jährige in seinem Zimmer festgenommen, weil dort das Smartphone von Gabriele Z. geortet werden konnte. Das Gericht folgte dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft und dem Gutachten eines Psychiaters. Demnach stellt der Vater von zwei Kindern weiterhin eine Gefahr für die Allgemeinheit dar.

Anders sehen es die beiden Verteidiger, die anonyme Todesdrohungen erhielten. Anwalt Maximilian Endler plädierte auf eine Haftstrafe von 14 Jahren - wegen Raubes mit Todesfolge und Störung der Totenruhe. Der Angeklagte habe weder geplant, Gabriele Z. zu töten, noch sie zu missbrauchen. Der Mann habe sie nur "vorübergehend ausschalten" wollen. Als er glaubte, die Frau sei unbeabsichtigt gestorben, habe er auf das entkleidete Opfer onaniert. In Bezug auf die beiden anderen Überfälle sei er freizusprechen, da die Beweise nicht ausreichten, sagte Mitverteidigerin Inga Berg. Ihr Mandant sei keinesfalls abgebrüht, bei Besuchen in der Haft habe er oft geweint.

Die Mannheimer Uni plant, auf dem Campus einen Gedenkstein für Gabriele Z. zu errichten. "Die Sterne sind erloschen, die Sonne gewichen. Es zerreißt mir das Herz", sagte Rektor Ernst-Ludwig von Thadden bei einer Trauerfeier.

14 Tage lang geschwiegen

Geständnis Während der Verhandlung vor dem Mannheimer Landgericht hatte der Angeklagte 14 Tage lang geschwiegen. Erst als Opferanwalt Hans Ulrich Beust an ihn appellierte, "ein Wort des Bedauerns" an die anwesende Mutter zu richten, legte er überraschend ein Geständnis ab. Er würde "sein Leben geben", wenn er die Tat ungeschehen machen könnte.

Betreuung Zu den beiden anderen Überfällen äußerte er sich nicht. Die Eltern von Gabriele Z. kommen über den furchtbaren Tod ihrer Tochter nicht hinweg und werden weiterhin psychologisch betreut. Die Mutter sei eine gebrochene Frau, sagte ihr Anwalt Christian Wiehe. wil

SWP

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