Werden die strengen Corona-Regeln in Baden-Württemberg ab dem 14. Februar gelockert? Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat entsprechende Hoffnungen gedämpft. Öffnungen könne es nur geben, wenn der Inzidenzwert auf unter 50 falle, sagte der Regierungschef am Dienstag in Stuttgart.
„Wenn wir in deren Nähe nicht kommen, wird das eher zu Verlängerungen führen.“ Nächste Woche Mittwoch wollen die Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) darüber sprechen, ob der seit dem 16. Dezember geltende Lockdown mit vielen geschlossenen Geschäften und Schulen sowie Kitas im Notbetrieb über den 14. Februar hinaus verlängert wird.

Corona-Fallzahlen im Südwesten noch zu hoch

Der Südwesten liege mit einem Wert von 74,2 bei den Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner am besten von den 16 Bundesländern, sagte Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne). Kurz vor Weihnachten lag diese Sieben-Tage-Inzidenz im Land bei über 200. Kretschmann betonte allerdings, der Inzidenzwert sinke seit Tagen kaum mehr. „Ich sehe mit einer gewissen Besorgnis, dass wir uns im Moment gerade wieder in einer Seitenbewegung befinden.“ Die Menschen hätten offensichtlich immer noch zu viele Kontakte. „Die Unsicherheit bleibt“, sagte Kretschmann. In einer Pandemie sei es schwer zu planen.

Corona BW: Landrat des Ortenaukreises pocht auf Lockerungen des Lockdowns bis Ostern

Der Landrat des Ortenaukreises, Frank Scherer, pocht auf Lockerungen des Corona-Lockdowns bis Ostern. Es sei vernünftig, spätestens bis Ostern Bereiche wieder „ans Netz“ zu lassen, die keine Pandemietreiber seien - etwa Restaurants mit gutem Hygienekonzept, sagte Scherer am Dienstag in einer digitalen Pressekonferenz. Auch für die Öffnung von Kitas und Grundschulen brauche es „dringend Konzepte“. Er habe Verständnis dafür, dass Baden-Württembergs Landesregierung angesichts mehrerer Infektionen mit einer Virus-Mutante an einer Freiburger Kita „kurz innegehalten“ habe. „Das darf aber nicht dazu führen, dass wir das noch länger machen und die Kinder zu Hause lassen.“
Eigentlich hatte die Landesregierung geplant, Kitas und Grundschulen am 1. Februar schrittweise wieder zu öffnen, rückte dann aber von dem Vorhaben ab, als das mutierte Virus in der Freiburger Kita festgestellt wurde. Nun soll die Schließung vorläufig bis nach den Fastnachtsferien andauern, also bis zum 21. Februar.

Corona in Baden-Württemberg: Kritik an Inzidenzen

Scherer kritisierte zudem, die Sieben-Tage-Inzidenzen, die in Baden-Württemberg für einzelne Kreise ausgegeben würden, seien wenig aussagekräftig. Denn es werde nicht erhoben, wie viele Testungen in den einzelnen Kreisen gemacht würden. Kreise, die mehr testeten, stellten mehr positive Fälle fest und wiesen auch höhere Inzidenzen auf. Es gebe beispielsweise Hinweise darauf, dass im Ortenaukreis mehr getestet werde als anderswo, so Scherer. Nur so könne man sich die schlechteren Werte im Kreis erklären. Für die Ortenau nannte das Landesgesundheitsamt am Montag eine Sieben-Tage-Inzidenz von 126,2, im benachbarten Kreis Emmendingen lag der Wert bei nur 25,2.

Auch Angela Merkel spricht sich gegen Lockerungen des Lockdowns in Deutschland aus

Eine Woche vor den nächsten Bund-Länder-Beratungen über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie hat Kanzlerin Angela Merkel eine Lockerung der Lockdowns abgelehnt. Sie bitte alle Menschen, „noch eine Weile durchzuhalten“, sagte die CDU-Politikerin am Dienstag in der ARD-Sendung „Farbe bekennen“. Zwar gebe es jetzt bundesweit eine Inzidenz von unter 100 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. „Das ist eine gute Leistung, da waren wir lange nicht. Aber damit haben wir noch nicht wieder die Kontrolle über das Virus durch die Gesundheitsämter.“
Daran müsse weiter gearbeitet werden, betonte Merkel. Lockerungen werde es aber nicht erst geben, wenn alle Bürger geimpft seien. „Das ist nicht der Weg, den wir anstreben.“

Corona in Deutschland: Thüringen beschließt Verlängerung des Lockdowns

Thüringen verlängert den strengen Lockdown bis zum 19. Februar. Das beschloss das Kabinett am Dienstag, wie ein Regierungssprecher in Erfurt mitteilte. Die aktuelle Corona-Verordnung unter anderem mit strengen Kontaktbeschränkungen und einer weitgehenden Schließung des Einzelhandels galt bislang bis zum 14. Februar und wird nun um fünf Tage verlängert.
Begründet wurde dies mit der Coronalage im Freistaat sowie mit den für die kommende Woche geplanten Beratungen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Regierungschefs der Länder. Die Beschlüsse der für den 10. Februar vorgesehenen Ministerpräsidentenkonferenz sollten dann in die neue Landesverordnung einfließen, sagte der Regierungssprecher. Zudem solle der Landtag mit einbezogen werden.
Thüringen ist das Bundesland mit der höchsten Sieben-Tage-Inzidenz. Die Zahl der Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen liegt aktuell bei 156,6.