Mund-Nasen-Schutzmaske, Hände waschen, Sicherheitsabstand: Es gibt viele Verhaltensweisen und Vorsichtsmaßnahmen, die man umsetzen kann, um die Gefahr einer Infektion mit Coronaviren zu minimieren. Doch wie ist es, wenn sich 20 bis 30 Schüler inklusive Lehrkraft bis zu zehn Schulstunden am Tag in einem 40 Quadratmeter großen Raum bewegen?

Keine Maskenpflicht im Unterricht trotz Risiko?

Baden-Württemberg startet am 14. September in ein neues Schuljahr – ohne Maskenpflicht im Unterricht. Stattdessen sollen Schülerinnen und Schüler auf weiterführenden Schulen nur noch auf den Fluren, in der Aula und auf den Toiletten einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Für Grundschüler fällt die Maskenpflicht komplett weg. Eine Entscheidung, hinter der die Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) steht: „Ich halte aus pädagogischen Gründen wenig von einer Maskenpflicht im Unterricht.“
Die Entscheidung Eisenmanns stößt jedoch auf Kritik. Die Bildungsgewerkschaft GEW zeigte sich skeptisch, ebenso kritisierten das Robert Koch-Institut (RKI) und die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina die Pläne des Kultusministeriums. Nordrhein-Westfalen und Bayern, die neben Baden-Württemberg bevölkerungsreichsten Bundesländer, folgen hingegen dem Rat der Wissenschaftler und halten zum Schuljahresbeginn – wenn auch nur zeitlich befristet – an der Maskenpflicht im Unterricht fest.

Goldene Regel: Für zehn Minuten Fenster auf

Kern des Problems sind nach wie vor die Aerosole: Kleinste Partikel, die das Coronavirus durch die Luft verbreiten können. Die Gefahr einer Übertragung kann durch das Tragen von Schutzmasken und einen Hygieneabstand reduziert werden. Das Land bleibt vorerst jedoch beim „maskenfreien“ Unterricht und setzt stattdessen auf  regelmäßiges Lüften. Auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE erklärte das zuständige Sozialministerium: „Zu den wirksamsten Methoden, potenziell virushaltige Aerosole aus Innenräumen zu entfernen, zählt eine möglichst hohe Frischluftzufuhr, die durch sachgerechtes Lüften erreicht werden kann.“ Das bedeute, in regelmäßigen Abständen „querzulüften“, also alle verfügbaren Fenster und Türen für zehn bis fünfzehn Minuten zu öffnen.

CO2-Messgeräte sollen unterstützen und erinnern

Um auch in der Praxis das regelmäßige Lüften der Klassenräume gewährleisten zu können, prüft das Ministerium derzeit den Einsatz von so genannten CO2-Messgeräten. Dabei handelt es sich um Sensoren, die den Kohlenstoffdioxid-Gehalt in der Luft messen und ähnlich einer Ampel mit Hilfe von Farben anzeigen, ob und wann die Lüftung eines Raumes notwendig ist. Die Geräte sind in der einfachsten Version bereits ab 30 Euro erhältlich.

Einsatz von Messgeräte von Umweltbundesamt empfohlen

Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine zu hohe CO2-Konzentrationen mit einem potenziell erhöhten Infektionsrisiko korreliert. Die These: Je höher der Anteil der CO2-Teilchen, desto höher sei der Anteil an Luft, die ein anderer Mensch im selben Raum kurz zuvor ausgeatmet hat. Wäre nur eine der anwesenden Personen im Raum mit dem Coronavirus infiziert, würde das Risiko einer Ansteckung durch das ungeschützte Einatmen der Luft erheblich steigen. Eine Problematik mit der sich bereits die Kommission Innenraumluft (IRK) des Umweltbundesamtes befasste. Diese sprach sich Mitte August öffentlich für den Einsatz von CO2-Ampeln in „geschlossenen Räumlichkeiten wie Großraumbüros, Hörsälen, Theatern, Kinos und Restaurants“ aus.
Für die Klärung der Frage, ob und wie CO2-Ampeln oder auch andere Hilfsmittel in den Schulen im Land eingesetzt werden, bleiben den zuständigen Behörden noch elf Tage bis Schulbeginn. Die Verantwortung liege nun bei den Kommunen, betonte das Kultusministerium. Die Schulträger seien selbst in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass sich alle Klassenzimmer, auch aus baulicher Sicht, ausreichend belüften lassen.

Warum können Aerosole gefährlich sein?


Mit jedem Ausatmen verbreitet der Mensch eine Reihe von Gasen und Aerosolpartikel in seiner unmittelbaren Umgebung, etwa beim Sprechen und Singen, aber ins Besondere durch Husten, Niesen oder auch beim Sport.
Als feste oder flüssige Partikel (Schwebeteilchen) können Aerosole Stunden bis Tage in der Luft verbleiben. Ist eine Person mit dem Coronavirus infiziert, können die ausgeatmeten Aerosole die Viren enthalten.
Bewegen sich Menschen ungeschützt in der Nähe einer infizierten Person, kann es zur Tröpfcheninfektion kommen. Besonders hoch ist das Risiko in geschlossenen Räumen, da dort kaum Luftaustausch stattfindet. isi