Tübingen / DPA  Uhr

Cem Özdemir (Grüne) hat sich für mehr Präsenz demokratischer Parteien in den sozialen Medien ausgesprochen. „Ich wundere mich manchmal, wie schlecht wir diese nutzen und den Fanatikern überlassen“, sagte er am Mittwoch in Tübingen. Özdemir nahm dort den Preis für die „Rede des Jahres 2018“ entgegen.

Das Rhetorische Seminar der Universität Tübingen vergibt die Auszeichnung seit 1998 jährlich für eine rhetorisch besonders gelungene Rede, die den politischen, sozialen oder kulturellen Diskurs entscheidend beeinflusst hat. Özdemir bekam den Preis für einen Debattenbeitrag im Bundestag am 22. Februar 2018, in dem er mit Positionen der AfD abrechnete. Laut Olaf Kramer, Direktor des Rhetorischen Seminars, gingen in den vergangenen Jahren noch nie so viele wüste Beschimpfungen bei der Jury wie nach der Bekanntgabe im Dezember ein.

In seiner ausgezeichneten Rede nahm Özdemir einen Antrag der AfD auseinander, der darauf zielte, den kurz zuvor freigelassenen Journalisten Deniz Yücel zu maßregeln. Unter anderem hatte Özdemir gesagt: „Bei uns gibt es keine Gleichschaltung, von der Sie nachts träumen. Bei uns gibt es Pressefreiheit.“ Den Jury-Mitglieder zufolge entlarvte Özdemir den Antrag als nicht zu akzeptierenden Angriff gegen das Grundgesetz und lieferte in einer Zeit der sprachlichen Aufrüstung ein eindrucksvolles Plädoyer gegen Populismus.

Der Preisträger erneuerte während des Festakts seine Kritik an der AfD. „Wer die Verbrechen des Nationalismus und die Schoah relativiert, legt einen Sprengsatz an das Fundament der Bundesrepublik Deutschland“, sagte der ehemalige Grünen-Chef.

Seminar für Allgemeine Rhetorik