Am Rastatter Abgeordneten Karl-Wolfgang Jägel (CDU) hatte es immer mal wieder Kritik gegeben, meist nur hinter vorgehaltener Hand. Als CDU-Fraktionschef im Rastatter Gemeinderat war er so etwas wie "die graue Eminenz" der Partei. Doch mit dem Mitgliedervotum, das jetzt seine zwölfjährige Karriere im Landtag beendet, hatte er wohl nicht gerechnet: Ausgerechnet seine langjährige Büroleiterin siegte gegen ihn in einer Kampfabstimmung im ersten Wahlgang.

Die frühere CDU-Kreisvorsitzende und Gernsbacher Stadträtin Sylvia Felder hatte ihre Kandidatur erst nach Ostern erklärt. Kurz danach war sie von ihrem Chef "beurlaubt" worden.

Die 48-jährige Felder, die auch als Anwältin arbeitet, hatte den 58-jährigen Bauunternehmer Jägel am Mittwochabend mit knapp über 50 Prozent der Stimmen geschlagen. Der 350 Plätze bietende Saal war völlig überfüllt, einige CDU-Mitglieder mussten stehen. Eine dritte Kandidatin spielte beim Ausgang der Wahl nur eine nachgeordnete Rolle. Jägel erreichte 35,8 Prozent der Stimmen. Jägel war 2004 für Thomas Schäuble nachgerückt.