Südbahn Strecke gesperrt: Bus statt Zug auf der Südbahn

Ulm / Von Thomas Steibadler und Fabian Ziehe 03.09.2018
Für den Oberleitungsbau ist die Zug-Strecke Ulm–Laupheim von kommenden Montag an zehn Wochen lang gesperrt.

Jetzt geht’s auf der Südbahn richtig los. Etwa 4000 Masten müssen aufgestellt und 250 Kilometer Stromkabel befestigt werden. Brücken müssen um- oder wie an der Benzstraße im Ulmer Industriegebiet Donautal neu gebaut werden. Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis Ende 2021, dann sind die 100 Kilometer Ulm–Friedrichshafen und weitere 25 Kilometer bis Lindau elektrifiziert. Die Züge erreichen dann Tempo 160, 20 Stundenkilometer mehr als bislang.

Zunächst aber ist Umsteigen angesagt. Von kommenden Montag, 10. September bis einschließlich Freitag, 21. Dezember, fährt zwischen Ulm und Laupheim-West kein Zug. Stattdessen setzt die Bahn insgesamt 24 Busse ein, um die Lücke im Schienennetz zu überbrücken. Ein Überblick über den sogenannten Schienenersatzverkehr: 

Interregio-Express

Die IRE-Züge aus Richtung Stuttgart halten wie gewohnt in Ulm, fahren dann aber weiter bis Neu-Ulm. Dort stehen für Reisende nach Laupheim, Biberach, Ravensburg und an den Bodensee am Zentralen Umsteigepunkt (ZUP) Busse bereit, die ohne Zwischenhalt nach Laupheim fahren. In Laupheim-West – die Expressbusse fahren auch den Stadtbahnhof an – geht es mit dem Regionalexpress oder der Regionalbahn weiter.

In der Gegenrichtung – also nach Ulm und weiter nach Stuttgart – steigen die Zugfahrgäste in Laupheim-West in die Expressbusse nach Neu-Ulm um. 

Nahverkehr

Die Regionalbahnen zwischen Ulm, Laupheim, Biberach und Aulendorf entfallen. Zwischen Ulm und Laupheim-West fahren Busse, die unterwegs folgende Haltestellen anfahren: Ulm-Donautal/Grimmelfingen, Erbach-Bahnhof, Laupheim-Stadtbahnhof. Für diese Busse werden in Ulm an der Schillerstraße gegenüber des Bahnhofsstegs provisorische Haltestellen markiert. Nach Auskunft der Stadt Ulm fallen deshalb mehrere der Parkplätze vorübergehend weg. Die Busse werden von der B 28 her über die Bleichstraße in die Schillerstraße fahren und dort längs halten. Die Ausfahrt erfolgt in Richtung Ehinger Tor.

Auf der Strecke Laupheim-West–Aulendorf werden nach Mitteilung der Bahn mindestens stündlich Züge Nahverkehrszüge eingesetzt. Außerdem fahren die Regionalexpress-Züge zwischen Laupheim-West und Friedrichshafen planmäßig. 

Fahrradmitnahme

In den Ersatzbussen ist kein Platz für Fahrräder. Für Ausflügler, die mit dem Rad an den Bodensee wollen, bietet die Bahn aber einen Ersatzzug an: Der „Radexress Bodensee“ fährt bis 21. Oktober an Samstagen sowie an Sonn- und Feiertagen von Ulm (8.50 Uhr) über Herbertingen, Aulendorf und Ravensburg nach Friedrichshafen-Stadt (10.59 Uhr). Die Rückfahrt startet um 16.59 Uhr, die Ankunft in Ulm ist um 19.06 Uhr. Der Zug verfügt der Bahn zufolge über einen Transport-Waggon mit Platz für etwa 60 Fahrräder.

Die Bahn geht nach Auskunft eines Sprechers davon aus, dass die Bus-Kapazitäten ausreichen. Von den 24 zur Verfügung stehenden Fahrzeugen seien drei Gelenkbusse, die auf der Express-Strecke Neu-Ulm–Laupheim eingesetzt werden.

Fünf Bauabschnitte

Die gesamte Strecke Ulm–Lindau ist für die Elektrifizierung in fünf Abschnitte eingeteilt worden. Offizieller Baustart war im März mit dem Spatenstich für ein Umspannwerk in Niederbiegen (Kreis Ravensburg), die ersten Vorbereitungen – wie Rodungsarbeiten – wurden bereits Ende vergangenen Jahres ausgeführt. Nach der jetzt anstehenden Vollsperrung des ersten Abschnitts wird es dort auch im nächsten Jahr Behinderungen geben. Die bis September 2019 dauernden Arbeiten sollen nach Auskunft des Sprechers den Zugverkehr aber möglichst wenig beeinträchtigen. Aus diesem Grund werde vor allem nachts gearbeitet.

Auch im zweiten Abschnitt von Laupheim-West bis Aulendorf beginnt die Elektrifizierung. Zunächst stehen auch dort Brückenbauten an. In Biberach muss zum Beispiel die Eselsbergbrücke, eine wichtige Innenstadt-Verbindung, erneuert werden.

Weitere Teil- und Vollsperrungen werden folgen. Ende 2021 sollen die Südbahn dann unter Strom stehen. 171 Jahre nach dem Bau der Trasse endet die Diesel-Ära.

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Interessenverband wurde 2006 gegründet

Vorlaufzeit Schon im Bundesverkehrswegeplan 2003 fand sich die Südbahn-Elektrifizierung als „fest disponiertes Vorhaben“. Um dem Anliegen der Region zwischen Ulm und Bodensee Nachdruck zu verleihen, wurde 2006 der Interessenverband Südbahn gegründet. Diesem gehören Städte und Gemeinden entlang der Strecke, die Landkreise, die Industrie- und Handelskammern sowie die Regionalverbände Donau-Iller und Bodensee an. Der Verband übernahm 1,2 Millionen Euro für die Vor­planung. Im Dezember 2015 haben das Land Baden-Württemberg und der Bund eine Finanzierungsvereinbarung geschlossen. Demnach übernimmt das Land 112,5 Millionen Euro, den Rest zahlt der Bund. Die Gesamtkosten betragen voraussichtlich 225 Millionen. Gebaut wird in fünf Abschnitten: Ulm–Laupheim, Laupheim–Aulendorf, Aulendorf–Ravensburg, Ravensburg–Friedrichshafen, Friedrichshafen–Lindau.

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