Albaufstieg Bund bezahlt den A-8-Ausbau

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Stuttgart / Jens Schmitz 04.10.2018

Nach Jahrzehnten des Stillstands drückt die Politik bei einer der wichtigsten Verkehrsadern Deutschlands aufs Tempo: Der sechsstreifige Neubau des A-8-Albaufstiegs zwischen Stuttgart und Ulm soll 2021 beginnen und 2026 abgeschlossen sein. Das teuerste Straßenvorhaben Baden-Württembergs wird komplett aus Mitteln des Bundes finanziert. Veranschlagt sind mehr als 600 Millionen Euro. Das gaben der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesverkehrsministerium, Steffen Bilger (CDU), und Landes-Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) am Dienstag in Stuttgart bekannt.

Die stauträchtige Strecke zwischen Mühlhausen und Hohenstadt im  Landkreis Göppingen gehört zu den ältesten Autobahnabschnitten Deutschlands. Sie verläuft in zwei voneinander getrennten, zweispurigen Trassen ohne Standstreifen. Enge Kurven sowie große Steigungen und Gefälle sorgen für Gefahr.

Das Land dringe seit Jahrzehnten auf einen Ausbau, sagte Hermann. „Aus Sicherheitsgründen ist es zwingend notwendig, dass wir die Zahl der Spuren erhöhen, weil sie nicht mehr zu den Automengen passen, die wir heute haben.“ Die Strecke wird täglich von 68 000 Fahrzeugen frequentiert, davon sind 11 000 Sattel- und Lastzüge.

2006 standen die Landesbehörden schon einmal kurz vor der Planfeststellung, doch der damalige Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) zog die Notbremse:  „Da gab’s einfach nicht genügend Geld“, erklärte Bilger am Dienstag vor Journalisten. Inzwischen sorgten Steuereinnahmen und die Ausweitung der LKW-Maut für volle Kassen: „Wir haben uns verständigen können, dass wir dieses Projekt jetzt sehr schnell in die Realisierung bringen.“

Den Planungsstopp selbst hatte schon Tiefensees Nach-Nachfolger Alexander Dobrindt (CSU) 2014 aufgehoben. Nun ist auch die Finanzierungsfrage geklärt: Der Bund bezahlt den Albaufstieg. Das vor allem von Berlin immer wieder eingespeiste Modell einer Öffentlich-Privaten Partnerschaft (ÖPP) ist vom Tisch. In den vergangenen 20 Jahren sei mehrfach untersucht worden, ob ein ÖPP-Projekt wirtschaftlich wäre, erklärte Hermann. Bilger zufolge ist auch in Berlin die Erkenntnis gereift, dass eine Finanzierung durch den Bund sinnvoller sei. Zeit spart sie außerdem: Hermann schätzte die Verzögerung bei einer ÖPP-Ausschreibung auf zwei Jahre.

Stattdessen soll das Planfeststellungsverfahren nun im Herbst 2019 abgeschlossen sein. 2021 will Hermann den Bau beginnen. „Das mit Abstand größte Straßenbauprojekt in Baden-Württemberg“ werde etwa fünf Jahre benötigen. Veranschlagt sind derzeit gut 602 Millionen Euro, „aber ich glaube, dass das eher die Unterkante ist als die Obergrenze“. Auf die Frage nach möglichen Bauzeit- und Kostenexplosionen wie beim Bahnprojekt Stuttgart–Ulm beruhigte der Minister: „Ich möchte mal sagen, dass dieses Projekt deutlich besser geplant ist als Stuttgart 21.“

Beseitigung eines Nadelöhrs

Der A-8-Abschnitt ist ziemlich alt: Der Drackensteiner Hang wurde 1937, der Albaufstieg 1957 fertig. Sie sind rund zwölf Kilometer lang und haben je zwei Spuren ohne Standstreifen.

Die Planer wollen das Nadelöhr durch eine gut acht Kilometer lange  Trasse beseitigen. Vorgesehen sind sechs Spuren plus Standstreifen. Große Abschnitte werden unterirdisch geführt. Neben Tunneln und Brücken wird die Anschlussstelle Mühlhausen erneuert und die B466 verlegt. Die bestehende Aufstiegstrasse bleibt als Bedarfsumleitung erhalten. jsz

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