Nörgler befürchten Verkehrschaos und Parkplatznot, sie stören sich am Hundeverbot und an Häusern, ihnen fehlt es an Höhepunkten, sie klagen über mangelnde Bekanntheit. Trotz weit verbreiteter Vorfreude auf die Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn verstummen die Skeptiker nicht. Rund 200 Tage vor der Eröffnung durch den Bundespräsidenten bemühen sich deshalb Organisatoren und Oberbürgermeister um noch mehr Akzeptanz für die 173 Tage währende Buga-Mischung aus gestalteter Landschaft und modernem Bauen. Jochen Sandner, Chef der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft in Bonn, betont gerne die Besonderheit dieser Kombination.

Kritiker fürchten verdichtetes Bauen

Kritiker befürchten, dass die 23 Wohnblöcke auf dem Buga-Areal eher von verdichtetem Bauen künden könnten als von einem Modell für die Zukunft. Von außen erschließt sich das futuristische Konzept kaum. Besichtigungen sind, bis auf eine Ausnahme, nicht möglich, weil die Appartements schon bezogen sind. Info-Tafeln müssen genügen.

Doch OB Harry Mergel (SPD) richtet seinen Blick sowieso weit in die Zukunft. Wenn erst einmal 3000 Menschen – doppelt so viele wie anfangs geplant – in das neue Viertel „Neckarbogen“ gezogen seien, flössen 4,2 Millionen Euro vom Finanzausgleich in die Stadtkasse. Buga-Chef Hanspeter Faas schaut auch gerne auf die städtebauliche Qualität. Deshalb seien „Besucherzahlen nur ein Erfolgsfaktor“, beugt er vor, falls es an den Einlässen doch nicht 2,2 Millionen Mal klick macht.

Heilbronn

3,1 Millionen Euro für das Marketing

Wenn es nichts kostet, ist das Interesse an der Buga groß. Zu Gratis-Führungen kamen 25.000 Neugierige. Damit auch aus der Ferne die Massen nach Heilbronn strömen, werden noch im Frühjahr 2019 drei Werbekampagnen gestartet. 3,1 Millionen Euro darf das Marketing für die vielgepriesene Verschönerung eines Schandflecks insgesamt kosten. Fraglich ist jedoch, ob Auswärtige interessiert, wie schlimm das Gelände früher ausgesehen hat.

Die Bundesgartenschau sei „ein Schaufenster für ganz Baden-Württemberg“, meint Friedlinde Gurr-Hirsch, CDU-Staatssekretärin für den ländlichen Raum. Sie schwärmt schon von Gartenbau, Holzhochhaus, Landbewirtschaftung und „erlebbarem Neckar“. Buga-Chef Faas hofft, kaum jemand werde auffallen, dass aus Kostengründen die Blumenrabatten um zehn Prozent verkleinert und ein Steg „deutlich reduziert“ werden mussten. „Die Linie stimmt auf jeden Fall“, sagt OB Mergel unbeeindruckt von Komplikationen.

Schwierige Suche nach Arbeitskräften

Die Buga könnte eine kleine Jobmaschine sein. Aber qualifizierte und willige Arbeitskräfte lassen sich offenbar nur schwer finden. Ein Caterer braucht knapp 100 „stressresistente“ Mitarbeiter, gefunden sind 16. Selbst im Büro von Projektmanager Berthold Stückle sind zwei Stellen frei. Gerade wegen des Baubooms gibt es mehr zu tun. Firmenchefs müssen direkt und hartnäckig angesprochen werden, weil überteuerte oder gar keine Angebote eingehen. Dennoch werde alles fertig, versichern die Macher. Der Eröffnungstermin am 17. April, 9 Uhr, werde eine Punktlandung. „OB Mergel und der Bundespräsident gehen vorne hinein und Berthold Stückle mit den Gärtnern hinten hinaus“, weiß Sandner aus 25-jähriger  Erfahrung.

Bühne für Fontänen

Die Investitionen auf dem ehemals unansehnlichen Gelände hinter dem Bahnhof summieren sich auf 144 Millionen Euro, davon übernimmt das Land 56 Millionen. Die Buga selber mit ihren 5000 Veranstaltungen wird 50 Millionen Euro kosten. OB Mergel rechnet mit einer „schwarzen Null“, doch auch ein Defizit von zehn Millionen Euro gilt als akzeptabel. Damit genügend zahlende Gäste kommen, ist jetzt „eine der größten Wassershows Europas“ angeheuert worden. Ein See und eine Kletterwand dienen als „spektakuläre Bühne für Fontänen, Farbspiele und Flammenprojektionen“. Das „Erlebnis für alle Sinne“ ist gedacht als „krönender Abschluss“, sofern sich der Besuch bis in die Nachtstunden ausdehnen lässt.

Vor allem die Dauerkartenbesitzer sollen sich an der Schau aus Licht, Musik und Wasser erfreuen. 11.000 der Tickets sind verkauft, angepeilt sind 36.000.

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Letzte Möglichkeit zum Gratis-Besuch des 40 Hektar großen Buga-Geländes besteht am 30. September. Bei einem Baustellenfest von 10 bis 18 Uhr stellt auch der SWR seinen Herd für die kulinarische Gastspielreihe „Pfännle“ auf. Am Tag zuvor gibt es eine Führung mit Hunden, die später keinen Zutritt haben.

Bis zur Eröffnung am 17. April 2019, dem Mittwoch vor Ostern, bleiben dann alle Tore zu. Die Organisatoren gehen davon aus, dass die Zeremonie mit Ehrengästen wie dem Bundes- und Ministerpräsidenten zwischen 10.30 und 11.30 Uhr über die Bühne gehen wird. hgf