Bildung Bündnis fordert Ende des Konsulatsunterrichts

Im Konsulatsunterricht lernen Kinder ihr Herkunftsland kennen.
Im Konsulatsunterricht lernen Kinder ihr Herkunftsland kennen. © Foto: © Fettullah OZASLAN/Shutterstock.com
Stuttgart / Axel Habermehl 10.07.2018

Gut 38 000 baden-württembergische Kinder mit Migrationshintergrund lernen neben dem Regelunterricht Herkunftssprachen ihrer Vorfahren. Allerdings findet das außerhalb staatlicher Kontrolle statt, im sogenannten Konsulatsunterricht, durchgeführt und verantwortet von Auslandsvertretungen der jeweiligen Herkunftsstaaten. Das Land zahlt dafür Zuschüsse.

Dieses Modell wollen die SPD-­Landtagsfraktion und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) überwinden. Sie fordern herkunftsstaatlichen Unterricht als Regelangebot. Die Schulen sollen ihn als freiwilliges Wahlfach anbieten, erst als wissenschaftlich begleiteter fünfjähriger Modellversuch an 90 Schulen, dann flächendeckend. Ziel sei, den bestehenden Konsulatsunterricht abzulösen.­

„Wir können diesen wichtigen Teil der Bildung für unsere Kinder mit Migrationshintergrund in Baden-Württemberg nicht länger ausländischen Konsulaten überlassen, nur weil dies für unsere Landeskasse günstiger ist“, erklärte SPD-Fraktionschef und Ex-Kultusminister Andreas Stoch bei der Vorstellung der Pläne. Konsulatsunterricht sei „gesellschaftspolitisch überholt, weil er von der Rückkehr der Zugewanderten ausgeht“.

Tatsächlich basiert das Modell auf einer EG-Richtlinie von 1977 „über die schulische Betreuung der Kinder von Wanderarbeitnehmern“. Begründet wurde sie seinerzeit mit dem Ziel der etwaigen Wiedereingliederung der Kinder in Herkunftsstaaten.

GEW-Landeschefin Doro Moritz sagte, sie unterstütze den Vorstoß, weil der Unterricht Wertschätzung der Herkunfts­sprachen ausdrücke, aber auch, weil gute Kenntnisse dieser Sprachen dem Deutsch-Erwerb zugutekämen. Dies unterstrich Havva Engin, Professorin der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Das Lernen der Herkunftssprachen habe positive Effekte auf das Lernen vieler anderer Fächer.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) wies das Ansinnen zurück. Herkunftssprachlicher Unterricht sei „kein Allheilmittel“, seine Wirkung „wissenschaftlich durchaus umstritten“. Die Überführung in staatliche Strukturen würde 60 Millionen Euro kosten, das habe das Ministerium in der letzten Legislatur unter ihrem Vorgänger Stoch berechnet.

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