Land am Rand Brummifahrer mit Überbreite und Dolmetscher

Wer mit schwerer Last durch das Land tuckert, sollte zumindest rudimentär Deutsch sprechen.
Wer mit schwerer Last durch das Land tuckert, sollte zumindest rudimentär Deutsch sprechen. © Foto: Fredrik von Erichsen/dpa
Mannheim / Hans Georg Frank 02.08.2018

Ein Lastwagenfahrer braucht nicht nur einen Führerschein und diverse Papiere mit Stempel, wenn er mit per Großraumtransport unterwegs ist. Bringt sein Gespann nicht nur die üblichen 40 Tonnen auf die Waage, sondern ist länger, breiter, schwerer als die üblichen Fuhren, dann muss der Chauffeur aus dem Ausland auch nachweisen, dass er der deutschen Sprache mächtig ist. Oder aber er hat einen Dolmetscher dabei.

Dafür gibt es eine Verwaltungsverordnung, die von Flensburg bis Friedrichshafen gilt. In der Stadt am Bodensee wollte ein Dienstleister diese Sprachauflage nicht erfüllen. Im Interesse seines Kunden aus der litauischen Hauptstadt Vilnius mit 166 Sattelzugmaschinen und 217 Anhängern zog er vor Gericht – und zog den Kürzeren. Zuletzt hat der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim bekräftigt: Ohne Deutsch ist im Not- und Gefahrenfall keine Kommunikation mit der Polizei möglich (Aktenzeichen 10 S 1801/17). Handzeichen seien für eine Verständigung untauglich.

Bei dem verlorenen Prozess stellte sich heraus, dass nicht alle Bundesländer auf ausreichenden Wortschatz pochen. Ausgerechnet die Regierung der Oberpfalz streicht den Passus mit der Sprache aus der Genehmigung. Dabei wird in einem großen Teil der Rest-Republik sowieso bezweifelt, dass die im Bayerischen Wald verbreitete Mundart überhaupt als deutsch gelten kann. Die Bürokraten in Regensburg handeln wohl nach dem Grundsatz: Was du nicht selber kannst, das verlange auch von keinem Kraftfahrer aus Litauen.

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