Biberach Brücken für Langohren

Biberach / ALFRED WIEDEMANN 07.12.2012
Brücken fürs Wild oder fürs Vieh - das kennt man schon. Aber für Fledermäuse? Gibt es jetzt auch. Braunes Langohr und Großer Abendsegler sollen so gefahrlos über eine Straße bei Biberach kommen.

Die neue, fast 22 Millionen Euro teure Biberacher Nordwestumfahrung verbindet Bundesstraße 312 und Landesstraße 267 und soll der oberschwäbischen Stadt von Frühjahr 2013 an Durchgangsverkehr ersparen. Die Straße schneidet tief ins Gelände - und unterbricht das Fluggebiet von Fledermäusen am Waldrand. Damit die Flattertiere weiter jagen können, wurden zwei Brücken über die Straße gebaut. Stahlträger tragen die u-förmigen Bauten. Fünf Meter lang und 50 Meter lang ist eine der Brücken, vier Meter breit und 60 Meter lang die zweite. Die Seitenwände sind jeweils drei Meter hoch. Kosten laut Biberacher Landratsamt: 400 000 Euro.

Mit Ultraschall können sich die Fledermäuse orientieren - und sollen so den Weg über die Blechbrücken finden, um gefahrlos über die Straße zu kommen statt unter die Räder.

Der ganze Aufwand dient dem Erhalt der Jagdreviere von Braunem Langohr, Großem Abendsegler und auch anderen Fledermausarten. Sie alle sind im Bestand stark gefährdet. 2009 wurde festgestellt, dass die Waldzüge an der geplanten Umfahrung von zahlreichen Fledermausarten als Flugkorridore genutzt werden. "In den Planfeststellungsbeschluss kam deshalb der Bau von Querungen, um die Verbundkorridore wieder herzustellen", sagt der Biberacher Landrat Heiko Schmid. EU-weit verschärfte Artenschutzbestimmungen hätten das nötig gemacht.

Allerdings gibt es bisher so gut wie keine Erfahrung zum Bau von Fledermausbrücken. Biologen, Landschaftsplaner und Tragwerksplaner wurden gefragt. "In einem langen Prozess" seien verschiedene Varianten untersucht worden. Ergebnis sind die beiden Querungen. Plus "Leitstruktur" aus Zäunen, Bäumen und Sträuchern, so aufgestellt und gepflanzt, dass sie die Fledermäuse Richtung Brücken lotsen.

Bleibt die große Frage: Werden die kleinen Nachtjäger die Querungshilfe nutzen? "Da sind wir auf das Urteil der Fachleute angewiesen", sagt Bernd Schwarzendörfer , Sprecher des Landratsamts. "Und die Experten meinen ja." Ein Monitoringprogramm soll Gewissheit bringen. Mit Detektoren und Infrarotkameras wird dazu das Fluggeschehen auf den beiden Brücken kontrolliert - über mehrere Jahre.

Auf die Ergebnisse ist auch der Bund für Umwelt und Naturschutz gespannt. "Zu Fledermausbrücken gibt es keine Erfahrungswerte", sagt BUND-Sprecher Gergely Kispal in Stuttgart. Straßenbau sei immer ein schwerer Eingriff in die Natur. Bekannt sei, dass Fledermäuse auf Veränderungen an ihren gewohnten Flugrouten mit tieferen Flügen reagierten. Die Gefahr, dass sie dann angefahren oder überfahren werden, sei also groß für die Tiere. "Wenn die Brücken angenommen werden, können sie etwas Schaden abwenden", sagt Kispal. "Besser wäre gewesen, die Straße gar nicht erst zu bauen." Schließlich gebe es schon genug davon im Land.