Breze(l) Breze ist keine Brezel: Bayern lässt Laugengebäck EU-weit schützen

München/Stuttgart / ROLAND MUSCHEL 19.09.2013
Bayerns Bäcker wollen europaweit die Bezeichnung "bayerische Breze" schützen lassen. Betont werden die Unterschiede zur "schwäbischen Brezel".

Wer bislang nicht um die mannigfaltigen Unterscheidungsmerkmale der "bayerischen Breze" und der "schwäbischen Brezel" wusste, der ist nach der Lektüre der jüngsten Ausgabe des "Amtsblatts der Europäischen Union" schlauer. "Die Besonderheit der Bayerischen Breze liegt zum einen in der einzigartigen Schreibweise", heißt es dort unter der Dokumentennummer "2013/C 262/06".

Zum anderen aber liegt die Besonderheit ganz offenkundig darin, sich vom Laugengebäck aus dem benachbarten Baden-Württemberg zu unterscheiden. In der Sprache des EU-Dokuments liest sich das wie folgt: "So sind die Ärmchen dicker als bei einer Schwäbischen Brezel."

Damit nicht genug: "Bayerische Laugenbrezen enthalten weniger Fett (1,5 bis 4 Prozent) als schwäbische Laugenbrezeln (4 bis 8 Prozent)." Und weiter: "Im Gegensatz zu den Schwäbischen Brezeln werden die Bayerischen Brezen in der dicken Mitte nicht längs eingeschnitten". Eine "gerissene Oberfläche" sei indes ein "typisches Merkmal der Bayerischen Breze". Vor allem die Form sei erkennbar anders: "Während bei schwäbischen Brezeln der Ansatz der Ärmchen sehr tief liegt und dadurch der obere Bogen als Bauch bezeichnet werden kann, sitzt er bei den typischen bayerischen Brezen deutlich höher."

Die mit viel Liebe zum Detail zusammengetragenen Besonderheiten zeitigen offenbar Erfolg: Die Bezeichnungen "Bayerische Breze", "Bayerische Brezn", "Bayerische Brezn" und "Bayerische Brezel" dürften bald durch den Eintrag in das EU-Register für geschützte geografische Angaben und Ursprungsbezeichnungen bei Lebensmitteln europaweit vor Nachahmern geschützt sein. Denn die nun erfolgte Veröffentlichtung im Amtsblatt der EU gilt als entscheidende Hürde für das begehrte Schutz-Siegel - auch wenn noch die Möglichkeit besteht, Einspruch einzulegen. Mit Erfolg hat die "bayerische Brezn" bereits die vorgeschalteten Prüfverfahren beim Deutschen Patent- und Markenamt sowie bei der Europäischen Kommission überstanden.

Der Antrag auf die europaweite Adelung der bayerischen Brezn als regional bedeutsames und damit schützenswertes Produkt sei auch "ein Stück Lokalpatriotismus", sagt Wolfgang Filter, Hauptgeschäftsführer des Landes-Innungsverbands für das bayerische Bäckerhandwerk. "Bei Bayern denken viele Besucher an Urlaub, an Berge und Bier - da ist die Brezn nicht weit."

Es ist auch "ein Stück Zukunftsinvestition", der Versuch, die "Marke" mit Hilfe des Siegels besser zu platzieren. Als Aktion gegen die schwäbische Brezel jedenfalls will Filter den Antrag auf keinen Fall verstanden wissen. In Grenzgebieten gehe es zwar immer auch "um die Frage: Wie nennen wirs?" Aber da setze man auf "pragmatische Lösungen".

Ob schwäbische Maultaschen oder Spreewälder Gurken - schon für eine Reihe deutscher Spezialitäten gilt der EU-weite Schutz. Das Siegel ist aus zwei Gründen begehrt: Erstens schützt es die heimischen Hersteller, da dann die Produkte nur noch in der Ursprungsregion hergestellt werden dürften. So müssten die Teiglinge für die "Bayerische Brezn" im Fall des Falles stets im Freistaat produziert werden. Zweitens bauen die Antragssteller darauf, dass das Verbrauchervertrauen in einer globalisierten Welt steigt, wenn ein Produkt eine geschützte geografische Angabe trägt.

Deshalb überlegt auch der Landesinnungsverband für das Württembergische Bäckerhandwerk, einen Schutz-Antrag für die "schwäbische Brezel" zu stellen. Das, sagt Geschäftsführer Andreas Kofler, sei "in der Diskussion". Argumentativ könnten die Schwaben dann den Antrag der Bayern umdrehen: Dünnere Ärmchen, mehr Fett - überhaupt ganz anders als die Brezn.

Schutz für regionale Lebensmittel
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