Halloween-Aufruhr Brandsätze gegen Schule: War Rache das Motiv?

Heidelberger Landgericht: Drei Männer sind angeklagt.
Heidelberger Landgericht: Drei Männer sind angeklagt. © Foto: Uwe Anspach/dpa
Heidelberg / Ulrich Willenberg 07.09.2018

Die Molotowcocktails in der Walldorfer Innenstadt lösten an Halloween 2017 Entsetzen in der Bevölkerung aus: Eine Gruppe von jungen Leuten wirft nachts mehrere Brandsätze unter anderem auf Schillerschule und Polizeiposten. „Das sind Straftaten, die man mit Terroristen in Verbindung bringt“, sagt die Vorsitzende Richterin Gisela Kuhn. Doch vor der Heidelberger Jugendkammer stehen seit Donnerstag keine Terroristen, sondern drei junge Leute aus bürgerlichen Elternhäusern. Es ist der erste von mehreren Prozessen zur Aufarbeitung jener Nacht voller Gewalt und Hass.

Die drei Angeklagten sollen mit anderen Personen in sozialen Medien vereinbart  haben, Gebäude in der Innenstadt in Brand zu setzen und einen Polizeiposten „anzugreifen“, der sich im Rathaus befindet. Aus Rache dafür, dass sie verstärkt von der Polizei kontrolliert worden seien, sagt Oberstaatsanwalt Florian Pistor.

„Wir waren sauer auf die Polizei“, berichtet ein 16-jähriger Angeklagter. Er gibt zu, Brandsätze geschleudert zu haben. Die Vorsitzende Richterin hält ihm vor: „Das ist doch saugefährlich für sie und hätte auch einen Kumpel erwischen können.“  Er habe  „in dem Moment an gar nichts gedacht“, antwortet er. Molotowcocktails zu werfen, sei schon Tage zuvor Thema in sozialen Netzwerken gewesen, erzählt er. „Es war ein Gruppenzwang, weil alle es auch gemacht haben.“ Den Angriff  auf den Polizeiposten, in dem in jener Nacht Licht brennt, habe er aus einiger Entfernung beobachtet. Glücklicherweise kommt es zu keinen Bränden. Niemand wird verletzt.

Ein 16-jähriger Mitangeklagter gesteht, das Benzin an einer Tankstelle gekauft zu haben. Er bestreitet aber, selber einen Brandsatz geworfen zu haben. Und gibt zu, seiner Freundin die EC-Karte geklaut und fast 400 Euro abgehoben zu haben. Jetzt hat er keine Freundin mehr.

Ein 20-jähriger Mitangeklagter soll einen Brandsatz gegen die Schillerschule geworfen haben. Der junge Mann weist dies zurück. Er habe vorher nichts von den geplanten Aktionen gewusst und beobachtet, wie ein Brandsatz neben einem Polizeiauto aufgeschlagen sei. Als ein Anwohner attackiert wird und zu Boden geht, habe er sich „entfernt“.

Funde bei Razzia

Bei einer Razzia später in seiner Wohnung beleidigt er einen Beamten. Die Polizei findet ein ­Butterfly-Messer und Marihuana. Er ist inzwischen Auszubildender. Ein 16-jähriger Mitangeklagter will eine Lehre als Installateur machen. Ein gleichaltriger Angeklagter will zur Bundeswehr und Koch lernen. Die Angeklagten werden unter anderem der ­versuchten gemeinschaftlichen Brandstiftung sowie des Landfriedensbruchs beschuldigt.

Seit jener Nacht hat sich offenbar viel geändert in Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis). „Es ist schlagartig ruhig geworden“, berichtet ein Jugendsachbearbeiter der Polizei. Die Zahl der Delikte sei „auffallend zurückgegangen“.

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