Einen Tag nach seinem umstrittenen Facebook-Post und der Kritik an der Auswahl von Werbeträgern der Deutschen Bahn hat sich Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) nun zu den gegen ihn erhobenen Rassismusvorwürfen erneut auf Facebook zu Wort gemeldet:

Er habe „die Themen Herkunft und Hautfarbe gar nicht angesprochen“, schreibt er. „Wenn aber gar kein Mensch ohne Migrationshintergrund mehr vorkommt, sollte man zumindest mal in Ruhe darüber diskutieren, ob das angemessen und beabsichtigt ist.“

Bahn wirbt mit Stars wie Rosberg, Nelson Müller und Nazan Eckes

Die Bahn wirbt auf ihrer Internetseite mit Bildern von Reisenden mit unterschiedlichen Hautfarben, unter anderem mit dem dunkelhäutigen TV-Koch Nelson Müller, der türkisch-stämmigen Moderatorin Nazan Eckes oder dem ehemaligen Formel-1-Rennfahrer Nico Rosberg. „Ich finde es nicht nachvollziehbar, nach welchen Kriterien die „Deutsche Bahn“ die Personen auf dieser Eingangsseite ausgewählt hat“, schrieb Palmer am Dienstag auf Facebook. „Welche Gesellschaft soll das abbilden?“

Palmer liebt die Provokation und die Aufmerksamkeit, die sie mit sich bringt. Misst man die Empörung, die ihm in den Kommentarspalten auf seiner Facebookseite entgegenschlägt, hat Palmer sich am Dienstag wieder selbst übertroffen. Dort wird dem 46-Jährigen nun Rassismus vorgeworfen, ein Aufmerksamkeitsdefizit oder schlicht Langeweile.

Nico Rosberg gegen Palmer: „Ich bin stolz Teil dieser Kampagne zu sein“

Nach der Kritik an Palmer hat sich am Dienstag auch der ehemalige Formel-1-Fahrer Nico Rosberg zu Wort gemeldet, der ein Teil der Kampagne ist. „Herr Palmer, Sie wollen spalten und Menschen ausgrenzen. Nicht mit mir“, schreibt er auf seinem Twitter-Account. „Ich bin Sohn eines Finnen und einer Deutschen. Völkervielfalt liegt in meinen Genen. Ich bin stolz, Teil dieser Kampagne zu sein und bedanke mich bei der DB, dass sie diese so umgesetzt hat“, heißt es in der Stellungnahme des Weltmeisters weiter.

Boris Palmer zum Rücktritt aufgefordert

Viele Grüne reagierten genervt auf den Oberbürgermeister der schwäbischen Universitätsstadt, der immer wieder auf Facebook seine Parteifreunde provoziert. Kellner sagte: „Wir streiten lieber für pünktliche Züge und billigere Bahn-Tickets. Wer in den Zug steigt, ist uns herzlich egal.“

Daniel Lede Abal, der Tübinger Landtagsabgeordnete der Grünen, wies Palmers Post als „einfach völlig daneben“ zurück. „Das ist das Deutschland, das dem Tübinger OB offenbar fremd geblieben ist“, erklärte er. „Wenn er als Oberbürgermeister mit so einer Stadtgesellschaft nicht zurechtkommt, sollte er sich jetzt überlegen, ob er Oberbürgermeister bleiben kann.“ Die Landespartei der Grünen in Baden-Württemberg reagierte ihrerseits mit einem Facebook-Post auf Palmers Einlassungen: „Das Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft ist gelebte Realität in unserem Land“, hieß es dort.

Der nordrhein-westfälische Grünen-Politiker Ali Bas forderte auf Twitter: „Es wird Zeit den Hut zu nehmen, Herr #Palmer!“

Grüne im Bund loben Bilder der Bahn

Die Grünen im Bund haben die Bilder demonstrativ gelobt. „Die Bahn ist für alle da, und dass sie mit Vielfalt wirbt, begrüße ich“, sagte der Bundesgeschäftsführer der Partei, Michael Kellner, der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag. „Es zeigt die gesellschaftliche Realität.“

Die Bahn zeigte dafür kein Verständnis: „Die DB freut sich, mit ihnen zusammenzuarbeiten“, sagte der Sprecher. „Genauso gehören Kolleginnen und Kollegen aus über 100 Nationen zur DB-Familie.“

„Herr Palmer hat offenbar zum wiederholten Male Probleme mit einer offenen und bunten Gesellschaft“, sagte ein Sprecher der Bahn der Deutschen Presse-Agentur. „Solch eine Haltung lehnen wir ab.“ Müller, Eckes und der früheren Formel-1-Fahrers Nico Rosberg, die auch auf Plakaten und in Werbespots der Bahn zu sehen sind, stünden „für besondere Talente, die viele Menschen begeistern“.

Palmer provoziert immer wieder

Im vergangenen halben Jahr hat Palmer ein Kopftuch-Verbot für junge Mädchen an Schulen und Kindergärten gefordert, eine Steuer auf Einwegpappbecher und Nudelboxen angekündigt, wegen einer nächtlichen Ruhestörung hat er sich als Ordnungshüter mit einem Studenten angelegt und damit bundesweit Aufsehen erregt. Vor wenigen Tagen erst sprach sich Palmer dafür aus, Grundstückseigentümer zum Verkauf ihrer Flächen zu zwingen, wenn sie diese nicht bebauen.

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