Terror Biberach: 20-jähriger Syrer unter Terrorverdacht

Roland Müller 25.11.2016

Ein 20-jähriger Syrer, der in einer Flüchtlingsunterkunft in Biberach lebte, steht unter Terrorismusverdacht. Er sitzt laut Angaben der Staatsanwaltschaft Stuttgart derzeit in Untersuchungshaft – wegen des Verdachts auf Vorbereitung einer „schweren staatsgefährdenden Gewalttat“, was die juristische Formulierung für ein Attentat ist. Noch immer geben sich die Ermittler einsilbig: Es müssten noch viele Details geprüft werden, die Zeugen-Vernehmungen seien noch nicht abgeschlossen. Doch der Fall wird ernst genommen. „Wir prüfen auch mögliche internationale Bezüge“, heißt es beim Landeskriminalamt (LKA).

Der Fall hat auch einige ungewöhnliche Details zu bieten: So möchte in Baden-Württemberg niemand die Tatsache kommentieren, dass der 20-Jährige zwar an der Grenze zu Dänemark aufgegriffen wurde – die Bundespolizei den Verdächtigen danach aber einfach laufenließ. Dementiert wird das aber auch nicht.

Laut Angaben des Landeskriminalamts, das die Ermittlungen übernommen hat, war der Syrer in Schleswig-Holstein an einem Hafen mit Fährverkehr nach Dänemark kontrolliert worden. Im Gepäck hatte er rund 16.000 Streichhölzer sowie Funktechnik; beides kann offenbar zum Bombenbau genutzt werden. Die Bundespolizisten nahmen ihm die Utensilien ab – und schickten ihn weg. Das war bereits am vergangenen Samstag. Als das Polizeipräsidium Ulm von dem Vorgang erfuhr, klingelten dort die Alarmglocken: Die Beamten nahmen den 20-Jährigen am Sonntag sofort fest und durchsuchten sein Zimmer in einer Biberacher Flüchtlingsunterkunft. Der 20-Jährige war für die Polizei kein Unbekannter: Er war ihnen bereits Ende 2015 aufgefallen. Damals hatte die Polizei den Mann nach einem Hinweis anderer Flüchtlinge überprüft – und bei ihm eine IS-Flagge gefunden. Weitere Verdachtsmomente ergaben sich damals aber nicht.

Zünder aus Streichhölzern?

Ob in der Biberacher Unterkunft weitere Beweise gesichert werden konnten, können oder wollen die Ermittler noch nicht sagen. Es ist aber nicht der erste Fall, in dem Streichhölzer angeblich zum Bombenbau verwendet werden sollten. Offenbar existieren auf islamistischen Seiten im Internet entsprechende Anleitungen. Im September dieses Jahres wurde laut „Bild“-Zeitung in Köln ein 16-Jähriger festgenommen, dem ein angeblicher IS-Kontaktmann im Internet gesagt haben soll, er solle die Köpfe tausender Streichhölzer abschaben, um den Schwefel zusammen mit Schwarzpulver sie als Zünder für Bomben zu benutzen.