Mit starrem Blick und adrett gekleidet betritt Peter S. am Montag das Landgericht Heilbronn. Sein Pflichtverteidiger Michael Fust gibt dann eine Erklärung ab: Der 33-Jährige räume alle vorgeworfenen Taten ein. In 66 Fällen habe er teure Särge verkauft, die Verstorbenen aber nach der Trauerfeier in billigere umgebettet.  In neun Fällen habe der Angeklagte Bestattungsdienste in Rechnung gestellt, die er nicht erbracht haben soll . Zudem soll der 33-Jährige Hinterbliebenen vertauschte Asche übergeben haben. In 27 Fällen soll er Geld aus Vorsorgeverträgen in die vor der Pleite stehende Firma gepumpt haben.

Vorsitzender Richter Roland Kleinschroth verzichtet trotz des Geständnisses darauf, den auf vier Verhandlungstage angesetzten Prozess zu verkürzen. "Es gibt einen formaljuristischen Aspekt. Es gibt aber noch eine Geschichte dahinter." Das Schöffengericht wolle Aufklärung für die Hinterbliebenen.

Es geht um das Verhalten des Unternehmers, das nicht Teil der Anklage ist. Krematoriums-Mitarbeiter hätten ausgesagt, die Leichen aus dem Bestattungshaus seien oft in einem schlechten Zustand gebracht worden, so der Richter. Zudem habe der Angeklagte die Kühlanlage des Bestattungshauses ausgeschaltet, um Strom zu sparen.

"Das stimmt nicht. Ich bin immer sehr liebevoll mit den Verstorbenen umgegangen", beteuert Peter S. Ein Foto zeugt aber von einem anderen Umgang: S. ist mit drei Mitarbeitern zu sehen. Sie stehen vor der Leiche eines Übergewichtigen. Zwei heben den Daumen hoch. Drei Mitarbeiter belasten den 33-Jährigen schwer. "Das war eine Besonderheit, wenn die Kühlanlage an war", sagt einer.

Der Angeklagte selbst präsentiert sich als Opfer. Der Sohn einer Landwirtsfamilie habe Menschen helfen wollen. 2008 lernte er seinen späteren Geschäftspartner K. kennen und arbeitete für ihn im "Haus des Abschieds". Knapp sechs Monate später war Peter S. Geschäftsführer, 2011 übernahm er die Gesellschaft.

Oberstaatsanwalt Peter Bracharz hat Fälle bis 2010 prüfen lassen. "Nur die eindeutig belegbaren sind zur Anklage gekommen." Es geht um einen geschätzten Schaden von 121.000 Euro. "Warum haben sie all diese Dinge gemacht?", fragt Kleinschroth. "Der Firma ging es nicht gut. Ich habe mich selbst nie bereichert", so S., der seinem damaligen Geschäftspartner vorwirft, regelmäßig tausende Euros aus dem Betrieb genommen zu haben. Sein Geschäftsführergehalt habe nur 950 Euro betragen.

"Verlassen sie die Welt, die sie sich zurechtgezimmert haben, und hören sie auf, den Heiligenschein herumzutragen", schimpft der Richter. Denn es gibt noch ein anderes Bild vom 33-Jährigen: Er soll spielsüchtig gewesen sein, habe ein protziges Leben geführt und teure Autos gefahren. Bei Disco- und Bordellbesuchen mit Freunden sei er außerdem "sehr spendabel" gewesen, sagen frühere Mitarbeiter.