Finanzierung Nationalpark: Besucherzentrum wird deutlich teurer

Seebach/Ruhestein / Petra Walheim 02.07.2018
Das Lieblings-Projekt der Grünen, der Nationalpark samt Besucherzentrum, entwickelt sich zu einem finanziellen Problem.

Bei der Grundsteinlegung für das Besucher- und Informationszentrum im Nationalpark Schwarzwald im Mai 2017 zeigte sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann begeistert von dem Projekt und nannte es „ein Herzensanliegen“. Ein gutes Jahr später könnte das Lieblingsprojekt der Grünen für Herz-Stolpern sorgen. Denn die Kosten steigen, liegen nach den bisherigen Ausschreibungsergebnissen bei knapp 45 Millionen Euro. Das liegt nach Auskunft aus dem Finanzministerium an der boomenden Baubranche, aber auch daran, dass in den ersten Kalkulationen Kosten nicht eingerechnet wurden, die zwingend dazu gehören, zum Beispiel die für einen Parkplatz und für das Betriebskonzept.

Verbockt haben das nach Ansicht der CDU-Landtagsfraktion der damalige grüne Landwirtschaftsminister Alexander Bonde und SPD-Finanzminister Nils Schmid. Sie hätten „unseriöse Kostenberechnungen vorgelegt“, sagt der finanzpolitische Sprecher Tobias Wald. Die jetzigen Regierungsfraktionen müssten die „Suppe auslöffeln“, die die Vorgängerregierung „uns eingebrockt hat“. Das dürfte gerade der CDU schwer fallen, denn sie war, als der Nationalpark Anfang 2014 gegründet wurde, noch in der Rolle der Opposition, und viele Abgeordneten hatten gegen das Nationalpark-Gesetz gestimmt. Auch Tobias Wald, „da keinerlei Investitions- und Betriebskonzepte vorgelegt wurden“.

Das Verkehrsministerium bestätigt, dass bei der ersten Kalkulation der Parkplatz nicht mit eingerechnet worden sei. Die Dimension sei damals noch nicht absehbar gewesen, sagt ein Sprecher. Nun ist sie es, und es ist vorgesehen, 500 Stellplätze für Pkw zur Verfügung zu stellen. Kostenpunkt: zwei Millionen Euro plus 0,2 Millionen Euro für den Straßenbau. Für Reisebusse werden „in der näheren Umgebung“  Parkplätze angelegt.

Auch die Betriebskosten, die zwangsläufig anfallen, wenn so ein Haus eröffnet wird, waren in den ersten Kalkulationen nicht enthalten. Als die CDU-Fraktion die erneute Kostensteigerung für das Projekt im Juni 2016 mitgetragen hat, tat sie das nach Auskunft von Tobias Wald unter der Bedingung, dass die damals errechneten 37,13 Millionen Euro der Kostendeckel seien und spätestens beim Baubeginn ein Betriebskonzept vorliegen müsse.

In einer Informationsveranstaltung am 13. Juni 2018 hat das Umweltministerium das Betriebskonzept vorgestellt. Das enthält unter anderem 19 neue Personalstellen und weist jährliche Kosten von 1,7 Millionen Euro aus. „Die 19 Stellen fallen nicht alle auf einmal an“, betont ein Sprecher des Umweltministeriums. Es seien Stellen unter anderem für Hausmeister und Techniker, ohne die weder das Besucherzentrum noch das pädagogische Haus in Herrenwies betrieben werden könnten. Den 1,7 Millionen Euro Betriebskosten stehen nach Auskunft des Sprechers Einnahmen von jährlich 600.000 Euro entgegen. „Die kommen durch den Eintritt für die Ausstellung, durch Veranstaltungen und Vorträge zusammen.“

Alaska-Zeder für den Turm

Entschieden ist nun auch die umstrittene Frage, woher das Holz für den Bau des Besucherzentrums kommt. Nach Auskunft aus dem Finanzministerium wurden die Arbeiten an eine Firma in der Nähe von Augsburg vergeben, nicht, wie in Aussicht gestellt worden war, an eine Firma aus dem Schwarzwald. Verwendet werde auch Holz aus der Gegend von Augsburg, für die Schindeln werde Holz aus dem Schwarzwald verwendet. Doch ganz ohne Holz aus Alaska scheint es nicht zu gehen: „Bei sieben Prozent der Fläche werden Holzschindeln aus Alaska-Zeder eingesetzt“, heißt es aus dem Finanzministerium. Damit werde der Turm verkleidet. Das Holz biete die besten Eigenschaften gegen die oft widrigen Witterungsbedingungen.

Galoppierende Kosten

Im Juni  2013 waren die Gesamtprojektkosten für des Besucher- und Informationszentrum im Nationalpark Schwarzwald nach Auskunft der CDU-Landtagsfraktion noch mit 23 Millionen Euro angegeben worden. Im Juli 2016 lagen sie bereits bei 37,13 Millionen Euro.

Nach Auskunft des Finanzministeriums waren im Haushalt 2015/16 die Baukosten für das Zentrum mit 20,5 Millionen Euro verzeichnet. Diese wurden im Juni 2016 um zwei Millionen Euro erhöht. Aktuell kommen 13 Millionen Euro hinzu. Der Grund: die boomende Baubranche.

Zu diesen 35,5 Millionen Euro kommen 2 Millionen Euro für das pädagogische Haus hinzu, 4 Millionen für die öffentliche Erschließung und 3,43 Millionen Euro für die Risikovorsorge.  Nicht eingerechnet sind die Dauerausstellung, der Parkplatz und das Betriebskonzept. wal

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