Schwäbisch Hall Bestatter weist Betrugsvorwürfe zurück

Schwäbisch Hall / THUMI 18.07.2013

Das Haller Bestattungsunternehmen, das wegen Betrugsvorwürfen ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten ist, hat seinen Betrieb inzwischen eingestellt. Das bestätigte der Anwalt des beschuldigten Unternehmers gestern unserer Zeitung. Die Stadt hatte dem Betrieb am Montag die Zulassung für Bestattungen entzogen.

Die Vorwürfe gegen das Unternehmen wiegen schwer: So sollen hochwertige Särge verkauft worden sein - nach der Trauerfeier seien die Verstorbenen dann ohne Wissen der Angehörigen in billige Särge umgebettet worden. Kunden sollen, so heißt es in einem Ermittlungsbericht, in 90 Prozent aller Einäscherungen betrogen worden sein - zumindest in den vergangenen Monaten. Der Umfang wird derzeit noch ermittelt - die Arbeiten könnten noch Wochen dauern, sagt Hans Ulrich Stuiber, Sprecher der Haller Polizei. Zu den Vorwürfen kommt hinzu, dass Leichen ungekühlt aufbewahrt wurden, bis genug für einen Sammeltransport ins Krematorium beisammen waren. Dabei habe starke Verwesung eingesetzt.

Über seinen Anwalt Michael Fust hat der Hauptbeschuldigte die meisten Vorwürfe zurückweisen lassen. Er werde von ehemaligen Mitarbeitern zu unrecht beschuldigt, die laut Fust zuvor "ungut ausgeschieden" waren. Es habe Umbettungen gegeben. "Das war dann aber mit den Angehörigen abgesprochen", erklärt Fust, "und nur, wenn sich die Kunden keine teuren Särge leisten konnten." Und: "Es gibt keinen Grund, die Kühlung abzuschalten. Das lässt sich sicher auch über die Stromrechnung nachvollziehen."

Allerdings habe es Unregelmäßigkeiten in der Buchhaltung gegeben. Einem Vorwurf widerspricht Fust nicht: Vorauszahlungen von Kunden, die ihre eigene Beerdigung finanziell absichern wollten, seien nicht auf Treuhandkonten geflossen, sondern umgeleitet worden. "Da gab es Defizite, aber es herrscht Interesse an der Schadenwiedergutmachung." Ein Teil sei bereits zurückgezahlt worden.