Göppingen / DIRK HÜLSER  Uhr
Nach dem Hilferuf des Göppinger Kreisbrandmeisters hat die Bahn reagiert und ein Krisengespräch zum Brandschutz auf der Neubaustrecke einberufen. Die Bahn zeigt sich zufrieden, die Feuerwehr nicht so ganz.

Das Kommunikationsbüro des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm verbreitete am Freitag eine freudige Nachricht: „Bedenken ausgeräumt“ war eine Pressemitteilung überschrieben, in der es um den Brandschutz der Baustelle im Steinbühltunnel bei Hohenstadt (Kreis Göppingen) ging. Der knapp fünf Kilometer lange Tunnel ist Teil der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm. Am Donnerstag hatte ein kurzfristig anberaumtes Treffen mit Vertretern der Bahn, der Feuerwehr und verschiedener Behörden stattgefunden. Grund für das Gespräch: Ende vergangener Woche hatte sich der Göppinger Kreisbrandmeister Michael Reick in der SÜDWEST PRESSE über ein mangelhaftes Brandschutzkonzept sowie eine fehlende Rettungswehr beklagt. Auch ein Mitarbeiter der Landesbergdirektion, die für die Arbeitssicherheit beim Tunnelbau verantwortlich ist, hatte Zweifel geäußert. Sogar ein Baustopp stand im Raum.

Jetzt also sind laut Bahn die „Bedenken ausgeräumt“. Michael Reick meint dazu lapidar: „Wenn Sie alles glauben, was die Bahn sagt, ist das so.“ Ihm lag die Pressemitteilung als Entwurf vor, der auch mit der Landesbergdirektion abgestimmt wurde, wie ein Sprecher des Regierungspräsidiums Freiburg, wo das Amt angesiedelt ist, bestätigt. Bauherr und Genehmigungsbehörde stimmen ihre Verlautbarungen untereinander ab: „Das wundert mich“, sagt Reick, aber unterm Strich sei „nichts, was da drin steht, falsch“. Aber: „Es ist nicht so, dass unsere Bedenken komplett auch für die Zukunft ausgeräumt wurden.“

An diesem Wochenende werde im Tunnel die kritische Tiefe von 200 Metern erreicht, ab der die örtlichen Feuerwehren nichts mehr ausrichten können. „Wir machen jetzt einige Tests“, kündigt Reick an - wenn sich das Konzept als tragfähig erweise, „werden wir es mittragen“.

Über diverse Formulierungen in der Mitteilung der Bahn zeigt er sich aber verwundert. So heißt es etwa, „das seit etlichen Monaten vorliegende Konzept für die Arbeitssicherheit“ sei besprochen worden. „Das stimmt so nicht“, sagt Reick. „Vielleicht hat’s ja irgendjemand vorgelegen.“ Ihm jedenfalls nicht. Er habe die Unterlagen erst am 17. Juni bekommen und am 19. Juni darauf geantwortet. Ein Sprecher des Kommunikationsbüros räumt auch ein, dass die endgültige Fassung erst im Juni verschickt wurde, im Januar sei Beteiligten aber ein Entwurf präsentiert worden.

Die Bahn hat ihr Brandschutzkonzept auch teilweise erläutert. So heißt es, eine speziell ausgebildete Rettungswehr des Auftragnehmers, also der Arbeitsgemeinschaft Tunnel Albaufstieg (ATA), zähle zum Kern des Konzepts. „Im Notfall unter Tage stehen zwei Löschtrupps parat.“ Reick bestreitet das. „Im Moment steht nur ein Trupp bereit - und der besteht aus vier anstatt fünf Mann.“ Allerdings seien auch noch nicht alle Bauarbeiter vor Ort. „Und man kann auch nachvollziehen, dass dann auch die Rettungswehr noch nicht vollständig ist.“ Von der Bahn hieß es am Freitag dazu, dass der zweite Rettungstrupp bereits am Montag bereitstehen werde.

Kritisch sieht der Kreisbrandmeister einen weiteren Punkt des Konzepts. „Im Brandfall stehen unmittelbar an den Arbeitsbereichen spezielle, von der Außenluft unabhängige Rettungscontainer zur Verfügung“, schreibt die Bahn. Die Container verfügten aber über keine Kühlung, mithin könne ein Mensch in ihnen nur wenige Stunden überleben, betont Reick. Er ist sich mit der Bahn aber einig, dass noch viel Arbeit bevorsteht. „Das wird ein ständiges Nachjustieren in den kommenden Wochen“, vermutet der Kreisbrandmeister. Die Bahn drückt sich so aus: „Vereinbart wurde vor allem ein kontinuierlicher Dialog auf Fachebene.“