Glosse Land am Rand: Autofahrer, du scheues Reh

Ein Leitpfosten mit einem blauen Wildwarnreflektor.
Ein Leitpfosten mit einem blauen Wildwarnreflektor. © Foto: dpa
Madeleine Wegner 11.01.2018
Blaue Reflektoren sollen für weniger Wildunfälle sorgen. Eine recht helle Idee. Über die Wirksamkeit der Methode aber wird gestritten.

Es funkelt blau an Baden-Württembergs Straßenrändern. Denn auf insgesamt 4000 Straßenkilometern ließ der Landesjagdverband mit seiner „Aktion Lichtzaun“ sogenannte Wildwarnreflektoren an den Leitpfosten anbringen. Eine recht helle Idee. Ergaben doch Tests, dass durch die kleinen, meist blauen Reflektoren deutlich weniger Wildunfälle passieren.

Grund dafür sei unter anderem das blaue Licht: Auf Wildtiere wirke es wie eine Warnfarbe. Auch in Schleswig-Holstein zeigte eine Langzeitstudie, dass sich durch die Reflektoren  bis zu 60 Prozent weniger Wildunfälle ereignen. Das Ergebnis ist nicht ganz unerheblich, kommen auf den Straßen im Südwesten jährlich tausende Tiere um – je nach Wildtierart zehn bis zwanzig Prozent der Jahresstrecke. Und mit dem abschreckenden Lichtschauspiel am Straßenrand schien eine verheißungsvolle Lösung gefunden. Doch nun haben Wissenschaftler der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg nachgewiesen, dass Blau den Rehen ziemlich piepe ist. Untersuchungen der Uni Dresden ergaben gar, dass die Reflektoren kein für Wildtiere wahrnehmbares Licht abstrahlen. Deshalb zeigten die Bambis nicht die Spur von Fluchtreflexen. Das wirft ein neues Licht auf Autofahrer. Eine  Befragung habe ergeben, dass
70 Prozent aufmerksamer oder langsamer fahren, wenn sie Reflektoren wahrnehmen. Das Fazit der Forscher: „Bei künftigen Forschungsprojekten sollte der Faktor Mensch entsprechend stärker berücksichtigt werden.“