Buga Heilbronn Aus Schandfleck wird Premiumpark

„Die Resonanz ist so toll“, freut sich Jana Fink über das Interesse an den öffentlichen Gratis-Führungen über das Gelände der Heilbronner Bundesgartenschau. Die Eröffnung durch den Bundespräsidenten wird am 17. April 2019 stattfinden.
„Die Resonanz ist so toll“, freut sich Jana Fink über das Interesse an den öffentlichen Gratis-Führungen über das Gelände der Heilbronner Bundesgartenschau. Die Eröffnung durch den Bundespräsidenten wird am 17. April 2019 stattfinden. © Foto: Hans Georg Frank
Heilbronn / Hans Georg Frank 26.06.2018
Blumenbeeten und Bauausstellung: Lange vor der Eröffnung ist das Interesse an der künftigen Bundesgartenschau riesig.

Diethelm Zurmühl (75) spaziert bei einer Führung über das derzeit wichtigste Gelände seiner Heimatstadt Heilbronn. „Schlimm, einfach schlimm sah es hier vorher aus“, erinnert sich der Maschinenbauer an die Zustände auf dem Areal zwischen Hauptbahnhof, Kanal und Altarm des Neckars. Eine unansehnliche Industriebrache, der Untergrund voller Kriegstrümmer und Blindgänger, ein Schandfleck in Zentrumsnähe. „Jetzt ist alles toll, ganz toll“, freut sich der Rentner auch über das ganzheitliche Konzept für die Bundesgartenschau 2019, die alle nur „Buga“ abkürzen, als sei es ein Kosename.

Die Neugier auf die einmalige Kombination von Gartenfest und Bauausstellung  ist lange vor der Eröffnung am 17. April 2019 riesig, wie die Massen bei den regelmäßigen Führungen über den 40 Hektar großen Schauplatz beweisen. Um die 300 Interessenten verteilen sich jedesmal auf acht Experten, lassen sich alles ganz genau erklären und haben oft noch viele Nachfragen.

Lianen aus Stahl

Dieter Zurmühl ist zum dritten Mal dabei: „Man erfährt immer etwas Neues.“ Jetzt hört er von einem Stadtdschungel aus dichten Gehölzen, zwischen denen Stahlstreben wie Lianen wirken sollen. Ein fast dem Verfall preisgegebener Schuppen gilt neuerdings als „großes Glück“ für Blumenschauen, Gärtnermarkt und Gastronomie mit Pflanzenbar, wo das Essen direkt vom Beet auf den Teller kommt. Wo der Neckar mit seiner neuen Uferlandschaft nicht die Hauptrolle spielen kann, rücken zwei künstliche Seen in den Blickpunkt all derer, die auf Wasser nicht verzichten mögen.

Jana Fink kann das Picknick auf Rollrasenhügeln offenbar kaum mehr erwarten. Sie gehört zum Führungsteam, agiert mit Herzlichkeit und schier unerschöpflichem Wissen. „Ich mache das unglaublich gern“, sagt die junge Frau, „weil die Resonanz so toll ist. Die Begeisterung ist wirklich greifbar.“ Diese Reaktion kann auch Harry Mergel bestätigen. Der SPD-Oberbürgermeister flaniert regelmäßig mit Buga-Fans über den Bereich, der Heilbronn bundesweit zu Ansehen verhelfen soll. „Die große Vorfreude kommt für mich nicht überraschend, haben doch alle Umfragen auf eine positive Stimmung hingewiesen.“

Insgesamt 2,2 Millionen Besucher werden erwartet, im Schnitt 12 000 am Tag.  Die Scharen werden auch auf jene 800 Wagemutigen starren, die bis dahin die ersten Häuser bezogen haben. Mit einem „Boarding House“, in dem man sich um fast nichts selbst kümmern muss, wird ein großstädtisches Appartement-Konzept erprobt. Daneben der Neubau der Jugendherberge, er kostet 10,5 Millionen Euro. Bis 1. Oktober müssen die 51 Zimmer mit 180 Betten fertig sein.

Ganz in der Nähe ragt schon das futuristischste Projekt in die Höhe – die Erweiterung des Science Centers „Experimenta“, das einmal zu den größten des Kontinents gehören soll. Bei der „Buga“ wird es spezielle Angebote für Schulklassen und Kindergartengruppen geben. Ein jetzt als Übergangslösung dienendes Schiff soll am Neckar vertäut werden und auf spielerische Weise neues Wissen vermitteln.

Oase weicht Häusern

„Eine Stadt entwirft sich neu“,  behauptet Heilbronn bei einem Architekturforum im Herbst in Berlin. Was nach der „Buga“ zum Stadtteil Neckarbogen für insgesamt 3000 Bewohner vorgesehen ist, mag Monika Kurz allerdings gar nicht gefallen. „Jetzt ist der Park mit seinen beiden Seen sehr schön“, lobt die Rollstuhlfahrerin, die längst ihre Dauerkarte gekauft hat. Aber nach dem 6. Oktober 2019, wenn die „Buga“ vorbei ist, werde ein Großteil der Fläche zugebaut: „Ich hätte das gelassen als Oase.“

Maire Pierse aus Kerry in Irland, die in einem Kindergarten als Englischlehrrein arbeitet, scheint nur schwärmerische Vokabeln für die „Buga“ zu kennen. „Ich finde das alles gigantisch, besonders für die Kinder wird es ganz fantastisch.“ Die Verwandtschaft auf der „grünen Insel“ hat sie schon eingeladen: „Das wird ein wunderbares Erlebnis.“

Karbon-Gartenzwerg statt Käthchen

Tradition und Moderne soll die Symbolfigur der Buga verbinden: Einen Gartenzwerg haben Studenten der Filmakademie Ludwigsburg zeitgemäß interpretiert. Spezialisten für Flugzeugbau der Uni Stuttgart haben den Entwurf mit Carbon- und Glasfasern in Wickeltechnik realisiert. „Karl“ heißt der 2,5 Meter große und zwölf Kilo schwere Sympathieträger in der Buga-Farbe „blütenpink“, der auf dem Kiliansplatz steht. Wer eine kleinere Version bevorzugt, kann sie mit dem 3-D-Drucker selber herstellen.

Die ersten Reaktionen sind wenig begeistert. Viele Heilbronner hätten offenbar als Maskottchen das berühmteste Vorbild aus der Literatur bevorzugt – ein Käthchen. Diese warb aber schon 1985 für die Landesgartenschau. hgf

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