Prozess Auf Eltern eingestochen: Bluttat ohne Motiv

Ulrich Willenberg 21.03.2017

Ein 18-Jähriger soll in der Wohnung seiner Eltern ein Blutbad angerichtet haben. Laut Anklage sticht er mehrfach auf Vater und Mutter ein und verletzt beide schwer. Nun steht ihr Sohn wegen versuchten Totschlags vor der Mannheimer Jugendkammer.

Sie habe „keine Erklärung“ für das Verhalten ihres Sohnes, sagt die Mutter als Zeugin. Vor Gericht sehen sich die zwei zum ersten Mal wieder und brechen sofort in Tränen aus. Auf die Frage, ob sie wieder Kontakt zu ihrem Sohn möchte, antwortet die Bulgarin: „Mein Herz sagt ja, mein Kopf sagt nein.“ Sie würde die Zeit gerne zurückdrehen. Ihr Sohn schluchzt die ganze Zeit. Der heute 19-Jährige habe Vater und Mutter aus der Haft schreiben wollen, sagt Verteidiger Stefan Allgeier. „Er findet aber nicht die richtigen Worte.“

Als die Eltern am Morgen des 3. September 2016 aufwachen, beginnt für sie ein Alptraum. Mit drei Messern soll ihr Sohn beide „unvermittelt“ im Wohnzimmer attackiert haben. Dann verletzt er sich selber. Eine Nachbarin wählt den Notruf. Den Einsatzkräften bietet sich ein grauenhaftes Bild. Nur durch eine Notoperation kann das Leben des Vaters gerettet werden. Auch seine Frau erleidet schwere Stichverletzungen.

Wie es zu der Tat gekommen ist, kann sich keiner der Beteiligten erklären. Streit habe es nicht gegeben, alles sei „ganz normal“ gewesen, berichtet die Mutter. Der Sohn sagt, er könne sich an nichts mehr erinnern. „Ich weiß nicht, was in meinem Kopf passiert ist.“ Zum Zeitpunkt der Tat dürfte er etwa zwei Promille Alkohol im Blut gehabt haben. Die Staatsanwaltschaft geht von einer verminderten Schuldfähigkeit aus.