"Schlimmer kann's fast nicht kommen." Andreas Markowsky von der Ökostrom Erzeugung Freiburg GmbH und viele seiner Kollegen von anderen Energie-Erzeugungsunternehmen im Schwarzwald stöhnen seit Jahren unter den restriktiven Regelungen, die für die Genehmigung von Windkraftanlagen gelten. Sobald auch nur ein Hauch von Möglichkeit besteht, dass ein Windrad Einfluss auf das Auerwild haben könnte, können die Energieerzeuger den angepeilten Standort für ein Windrad abhaken.

Dabei ist bisher nicht erforscht, ob Auerhühner sich von Windrädern tatsächlich irritieren lassen. Deshalb hat die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg (FVA) gestern ein Fünf-Jahres-Projekt gestartet. Mit ihm soll erforscht werden, ob und wie Auerhühner auf die sich drehenden Flügel eines Windrads reagieren.

Die Ergebnisse, die für 2020 erwartet werden, sollen eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für die weiteren Diskussionen sein, betonte Dr. Ulrich Kleine vom E-Werk Mittelbaden. Windkraft sei eine langfristige Energiequelle, deshalb sei es für Energieerzeuger wichtig, Klarheit zu erlangen, wie in Zukunft über Windrad-Standorte entschieden wird. "Wir brauchen Planungssicherheit." Kleine betonte aber auch, dass der ohnehin schon gefährdete Bestand an Auerhühnern erhalten bleiben muss. Nach Auskunft von Wildexperte Rudi Suchant von der FVA gab es 2014 noch 500 Auerhühner im Schwarzwald. "Damit liegt der Bestand an der unteren Überlebensgrenze." Um ihn zu erhalten, muss alles vermieden werden, was die Auerhühner stört.

Untersucht wird, ob Auerhühner den Bereich in der Nähe von Windrädern meiden, obwohl er als Lebensraum bestens geeignet wäre. Weiter werden in Gebieten "mit guten Auerhuhnvorkommen" und projektierten Windkraftanlagen Auerhühner gefangen und mit GPS-Sendern ausgestattet. Damit soll erforscht werden, ob die Vögel ihr Verhalten ändern, wenn sich in ihrem Revier ein Windrad dreht. Geklärt werden soll auch die Frage, ob Auerhühner, die trotz Windrädern in ihrem Revier bleiben, mehr gestresst sind als Auerhühner ohne Windräder. Ein wichtiger Aspekt ist auch die Frage, ob Windräder die Fortpflanzung negativ beeinflussen.

Weiter wird überprüft, ob die "Korridore" zwischen den Populationen noch funktionieren. Sie sind wegen des genetischen Austauschs von existenzieller Bedeutung für den Bestand. Geforscht wird im Schwarzwald, aber auch in der Steiermark und in Kärnten, wo es noch große Auerhuhn-Vorkommen gibt.

Das Projekt soll nach Auskunft von Konstantin von Teuffel, Direktor der FVA, eine Million Euro kosten. Finanziert wird es zur Hälfte vom Land. Der Landesregierung ist das Thema ein Anliegen, weil sich bis 2020 bis zu 1000 Windräder im Land drehen sollen. Die andere Hälfte der Million wird "von der Wirtschaft" finanziert, sagt Andreas Markowsky. Auch wenn Energieunternehmen Geld in das Projekt stecken, soll es ergebnisoffen und ohne Beeinflussung durchgezogen werden, betont von Teuffel.