Atom Atommüll auf dem Neckar: Sechs Schleusen als riskante Engpässe

Verlade-Übung mit leerem Castorbehälter.
Verlade-Übung mit leerem Castorbehälter. © Foto: dpa
Obrigheim / Hans Georg Frank 27.02.2017
Erstmals wird hochradioaktiver Atommüll auf einem Fluss transportiert. Polizei und ENBW bereiten sich mit einem Testlauf auf dem Neckar darauf vor – und auf die Proteste.

Die Polizei bereitet sich auf Protest gegen ein Novum in der deutschen Atomgeschichte vor. Erstmals wird hochradioaktiver Abfall auf einem Fluss transportiert. Bei der brisanten Fracht handelt es sich um insgesamt 342 ausgemusterte Brennelemente, die vom stillgelegten Kernkraftwerk Obrigheim in ein Zwischenlager nach Neckarwestheim gebracht werden. Die ENBW spart sich damit den Bau eines Depots in Obrigheim, kann das Gelände früher zur „grünen Wiese“ erklären.

„Ich bleibe relativ gelassen“, sagte Thomas Mürder, Chef des Polizeipräsidiums Einsatz in Göppingen. Sein Haus koordiniert die Eskorte für die Spezialschiffe zu Wasser, an Land und in der Luft. Welche Stärke die Einsatzkräfte haben werden, hänge von der weiteren Entwicklung bis zum Transporttermin ab. Dazu werden auch die Kommentare in den sozialen Medien ausgewertet. Die Polizei muss besonders 23 Brücken und sechs Schleusen schützen: „Sie werden zu den neuralgischsten Punkten gehören“, sagte Mürder gestern in Obrigheim. Die Polizei will, dass die Fahrt tagsüber stattfindet: „Wir wollen das Gelände sehen können.“ Wenn die eigenen Einheiten nicht reichen, wird Unterstützung aus Nachbarländern angefordert.

In Obrigheim wurde gestern die Verladung eines mit Wasser gefüllten Castors geübt. Die ENBW plant fünf Fahrten mit jeweils drei Behältern. Ein Termin für die Verlegung steht noch nicht fest, weil die Erlaubnis des Bundesamts für kerntechnische Entsorgungssicherheit fehlt.

Als „problematischen Fuhrpark“ haben Atomgegner das Schubschiff „Edda“ und den 30 Jahre alten Leichter „Lastdrager 40“ bezeichnet. Das Schiff sei vor genau vier Jahren, am 28. Februar 2013, auf dem Mittellandkanal „spektakulär in Brand geraten“. Der Wasserweg musste damals gesperrt werden. Die ENBW sieht ihre Anforderungen an die Sicherheit dadurch nicht beeinträchtigt. Ursache des Feuers sei ein defektes Mikrowellengerät gewesen. Inzwischen sei „Edda“ repariert und genüge den aktuellen Vorgaben.

Falls „Edda“ ausfallen sollte, steht ein Ersatz bereit. Es handelt sich um das Schubschiff „Ronja“ (Baujahr 1969). Auch dieses hat eine Havarie hinter sich: Wegen eines defekten Ruders lief es auf Grund.