Atdorf / PETRA WALHEIM Um die Energiewende umzusetzen, muss die Speicherkapazität für Strom erhöht werden. Dazu hätte das Pumpspeicherkraftwerk Atdorf bei Waldshut beitragen sollen. Doch das scheint vor dem Aus zu stehen.

Das umstrittene Milliarden-Projekt Pumpspeicherkraftwerk Atdorf scheint auf immer wackligeren Beinen zu stehen. Die "Badische Zeitung" berichtete gestern, der Vorstand der RWE habe beschlossen, aus dem Projekt auszusteigen. Grund sei der sinkende Großhandelspreis für Strom. Dadurch könne das Kraftwerk nicht wirtschaftlich betrieben werden. Weder von der RWE noch vom Projekt-Partner ENBW war eine Bestätigung zu erhalten. Beim Stromversorger RWE in Essen hieß es nur: "Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen."

Der Pressesprecher der ENBW in Karlsruhe betonte, das Projekt werde weiterverfolgt. "Das Planfeststellungverfahren läuft unverändert weiter." Erst wenn eine bestandsrechtliche Genehmigung vorliege, werde über einen Baubeginn entschieden. Ausschlaggebend seien die dann herrschenden Bedingungen auf dem Strommarkt. Er bestätigte, dass derartige Speicheranlagen wie das Pumpspeicherkraftwerk Atdorf momentan unter einem enormen Druck stünden.

Dabei sind sie für die Energiewende unverzichtbar. Das sagte ein Sprecher des Umweltministeriums. Die Kraftwerke stellten die bewährteste und auf absehbare Zeit wirtschaftlichste Option dar, "Energie im großtechnischen Maßstab mit einem hohen Wirkungsgrad von 80 Prozent zu speichern und diese bei Bedarf wieder ins Stromnetz einzuspeisen". Um die wachsende Menge an Strom aus Wind und Sonne speichern zu können, müssten Speicherkapazitäten erhöht werden. Dazu und zur Stabilisierung der Stromversorgung im Südwesten könne das Pumpspeicherkraftwerk einen wichtigen Beitrag leisten. "Würde Atdorf nicht gebaut, hätte das für die Energiewende dennoch keine benennbaren Folgen", sagte der Sprecher. Die nicht realisierte Speicherkapazität müsse anders ausgeglichen werden.

Doch noch ist nichts entschieden. Auch die Schluchseewerk AG, eine hundertprozentige Tochter von RWE und ENBW, die das Projekt realisieren soll, arbeitet daran weiter. Das Planfeststellungsverfahren werde vorangetrieben, sagte ein Sprecher. Vor einem Jahr hat die Schluchseewerk AG den wesentlichen Teil der Unterlagen eingereicht. Bis Ende des Jahres sollen dem Landratsamt Waldshut auch die noch fehlenden Unterlagen aus dem Bereich Umwelt vorliegen.

Dieses beständige Vorantreiben des Verfahrens steht im Widerspruch zu den seit anderthalb Jahren immer wieder aufkommenden Mitteilungen der Energieversorger, das Projekt stehe aus wirtschaftlichen Gründen auf der Kippe. Manche vermuten, damit soll politischer Druck aufgebaut werden, damit die Bedingungen auf dem Strommarkt verbessert werden.

Gegner des Projekts schöpfen dagegen Hoffnung, dass das Kraftwerk Atdorf doch noch gestoppt wird. Sie kämpfen seit Jahren dagegen an. Auch ein Runder Tisch konnte an ihrem Widerstand nichts ändern.

Bisher 30 Kraftwerke