Hildrizhausen/Ulm Asiatischer Laubholzbockkäfer breitet sich im Südwesten aus

Hildrizhausen/Ulm / ANDREAS CLASEN 25.08.2016
In China hat der Asiatische Laubholzbockkäfer große Schäden angerichtet. Immer öfter wird er auch im Südwesten gesichtet – jüngst in Hildrizhausen.

  Hildrizhausen hat ein Problem. Der Asiatische Laubholzbockkäfer ist in der Gemeinde, einer der gefährlichsten Schädlinge  für Ahorn, Pappeln und viele andere Baumarten. Nach Angaben des Landratsamtes Böblingen sind im August 14 Tiere gefunden worden, die  Experten „Anoplophora glabripennis“ nennen. Die Europäische Union hat den Käfer als Quarantäneschädling eingestuft. Heißt: Wo er entdeckt wird, müssen die Behörden gegen ihn vorgehen. Speziell geschulte Spürhunde waren erst gestern in Hildrizhausen unterwegs, die den Schädling aufpüren können.  Sie würden vor allem an den Bäumen eingesetzt, wo man unsicher sei, sagte Wiebke Höfer, Sprecherin des Landratsamts. Den ersten Käfer habe ein aufmerksamer Bürger gemeldet.

 Um zu verhindern, dass der Asiatische Laubholzbockkäfer sich weiter verbreitet und im Wald immensen Schaden anrichtet, müssten sowohl befallene Bäume als auch weitere Bäume „im Umkreis von 100 Metern gefällt und verbrannt werden“, sagt Esther Moltmann vom Agrarministerium  in Stuttgart.

Hildrizhausen ist in Baden-Württemberg kein Einzelfall. Im Landkreis Lörrach wurden 2012 Verfügungen zur Bekämpfung des Käfers auf den Gebieten der Stadt am Weil am Rhein und Haltingen erlassen und 2015 auf der Gemarkung der Gemeinde Grenzach-Whylen. Auch in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt ist er bereits gesichtet worden. Der Käfer breitet sich langsam aus.

Von Asien nach Europa ist der Schädling wahrscheinlich per minderwertiger chinesischer Holzverpackungen gekommen, in denen noch Larven steckten. Im Norden Chinas  hat das Insekt schon riesige Schäden an Pappeln, Weiden und Ulmen angerichtet. Chinesische Experten empfehlen bereits auf den Anbau von Baumarten zu verzichten, die das Insekt gerne befällt. Hierzulande besiedelt er besonders gerne Ahorn, Rosskastanie, Weide, Birke und Pappel. Aber auch Buchen, Apfelbäume, Roteichen oder Linden sind nicht vor ihm sicher.

Im Detail läuft der Befall so: Das Weibchen legt im Sommer Eier unter die Rinde lebender Laubbäume – geschnittenes Holz wird nicht befallen. Die geschlüpften Larven fressen sich dann zuerst unter die Rinde und danach bohren sie sich tief in den Stamm. Der  Käfer baut sich später wieder einen Gang nach draußen und fliegt womöglich zum nächsten Opfer. Wenn ein Baum über mehrere Jahre auf diese Weise bearbeitet wird, werden Äste und Stamm morsch. Das Tückische dabei ist: Befallene Bäume können noch eine belaubte Krone haben und fallen daher nicht sofort auf.  Hinzu kommt, dass der Käfer eben nicht sonderlich wählerisch ist, welche Baumsorte er als Wirt benutzt.

Der Kampf gegen den Käfer ist äußerst aufwendig.   Der Specht frisst ihn zwar, aber das reicht nicht. Die Verantwortlichen im Landratsamt Lörrach wissen das nur zu gut. Im Kreis Lörrach gab es in Weil am Rhein vor vier Jahren den ersten Fund und trotz aufwendger Maßnahmen zu seiner Bekämpfung wurde 2015 erneut einer registiert, wie eine Sprecherin des Landratsamtes sagt.   „In Grenzach gab es zuletzt im Juni 2015 einen Fund, allerdings handelte es sich dabei nur um totes Material. Seither wurde nichts mehr entdeckt.“ Nach einem intensiven Monitoring sei dort im Juni die Quarantänezone gelockert worden.  Die hohen Kosten für das Monitoring im Wald, etwa für Fallen oder den Einsatz von Spürhunden, würden überwiegend vom Land beglichen, das wiederum Geld von der EU erhalte.

Dass der Kampf gegen den Käfer nicht aussichtlos ist, zeigt ein Blick ins Ausland. Erfolgreiche Aussrottungen gab es in Österreich oder  in den Vereinigten Staaten.  In den meisten Fällen hat das 10 oder 12 Jahre gedauert. Auf Baden-Württemberg kommt eine langwierige Arbeit zu.

Der Asiatische Laubholzbockkäfer

Merkmale Im Jahr 2004 ist der Asiatische Laubholzbockkäfer erstmals in Deutschland gesichtet worden.  Das Insekt ist ohne Fühler rund  zwei  bis vier Zentimeter groß. Die Fühler des Käfers können bis zu 2,5 Zentimeter lang sein. Sein Körper ist schwarz glänzend. Beine und Fühler können teilweise blau gefärbt sein. Die Flügeldecken sind weiß gefleckt. Die Flecken sind ungleich groß und unregelmäßig geformt.

Europa   Der Käfer ist nach Europa womöglich durch minderwertige Holzverpackungen aus China gelangt, bei denen Larven zuvor den Zuschnitt überlebt haben. Später schlüpften dann die Käfer. Sie können fliegen. Jede Generation  kann sich laut Untersuchungen aus den Vereinigten Staaten  um mehrere hundert Meter ausbreiten kann, schreibt die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft.  eb

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