Interview Aras: AfD-Wähler nicht als rechtsradikal abstempeln

Stuttgart / Antje Berg, Roland Muschel 21.01.2017

Die Präsidentin des Landtags von Baden-Württemberg, Muhterem Aras, sieht die etablierten Parteien in der Pflicht, das Gespräch mit den Wählern der AfD zu suchen. „Wir können es uns nicht leisten, 15 Prozent der Wähler an die AfD abzugeben, sie abzuschreiben und als rechtsradikal abzustempeln“, sagte Aras im Interview mit der SÜDWEST PRESSE. Sie wünsche sich, „die Menschen wieder in die Mitte zu holen, die angesichts von Globalisierung und Internationalisierung verunsichert sind und sich den Rechtspopulisten zuwenden“. Jeder, dem der Zusammenhalt der Gesellschaft wichtig sei, müsse daran ein Interesse haben. „Alles andere wäre fahrlässig.“ Wichtig sei aber auch, zu sehen, dass 85 Prozent der Baden-Württemberger „für eine pluralistische, offene Gesellschaft“ stünden. „Deshalb dürfen wir unser Handeln nicht davon abhängig machen, was Rechtspopulisten fordern.“

Derweil hat die AfD-Landtagsfraktion die Streichung der Zuschüsse für die NS-Gedenkstätte Gurs beantragt, in die Juden aus dem badischen Landesteil deportiert worden waren. Zuschüsse für Fahrten zu NS-Gedenkstätten will die AfD zudem umwidmen für Fahrten zu „bedeutsamen Stätten der deutschen Geschichte“. Vertreter der anderen Fraktionen im Landtag reagierten entsetzt: Die AfD im Südwesten folge dem Kurs des Thüringer AfD-Rechtsauslegers Björn Höcke.