Tübingen Anzeigen wegen Affen-Versuchen in Tübingen

Tübingen / MADELEINE WEGNER 14.01.2015
Tierschützer haben wegen der Affenversuche am Tübinger Max-Planck-Institut Strafanzeige gegen verantwortliche Wissenschaftler erstattet.

Eisenhart von Loeper hat Professor Nikos Logothetis und weitere Mitarbeiter des Tübinger Max-Planck-Instituts (MPI) für biologische Kybernetik wegen des "dringenden Tatverdachts der Tierquälerei" und der "Tiertötung ohne vernünftigen Grund" angezeigt. Anwalt von Loeper vertritt drei Tierschutzorganisationen: die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche, die Berliner Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz und den Verein Menschen für Tierrechte.

Von Loeper stützt sich bei der Strafanzeige auf die Aufnahmen eines Tierschützers, der ein halbes Jahr lang als Tierpfleger im Tübinger MPI gearbeitet hatte. Im September ging der Tierschützer mit dem heimlich gefilmten Material an die Öffentlichkeit. In den Videosequenzen ist unter anderem ein Rhesusaffe zu sehen, den die Forscher betäubt in den so genannten Primatenstuhl setzen. Das Tierschutzgesetz schreibt jedoch vor, dass die Versuchstiere freiwillig in den Stuhl klettern müssen, in dem sie für die Experimente fixiert werden.

Die Initiative für die Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft ging von den Ärzten gegen Tierversuche aus. "Ich habe mich intensiv und gerne dieser Aufgabe gewidmet, weil ich es für unerträglich halte, was dort am MPI passiert", sagte von Loeper. Er ist selbst im Vorstand der Erna-Graff-Stiftung aktiv und war bis 2006 Bundesvorsitzender der Menschen für Tierrechte. Die Strafanzeige sei eingegangen und werde geprüft, sagte gestern der Tübinger Staatsanwalt Walter Vollmer. Allerdings sei dies nicht die erste: "Der Vorgang ist nicht neu. Es ist nicht die einzige Anzeige in diesem Zusammenhang", sagte Vollmer.

Von Loeper wirft den beteiligten MPI-Forschern vor, den Genehmigungsrahmen nicht eingehalten zu haben. Aus seiner Sicht fehle zudem "eindeutig die ethische Vertretbarkeit".

In einem weiteren Schreiben fordert von Loeper den Regierungspräsidenten Hermann Strampfer deshalb auf, "den Genehmigungsbescheid zur Durchführung von Tierversuchen an Primaten" aufzuheben. Das Regierungspräsidium als zuständige Aufsichtsbehörde prüft bereits seit Monaten die Vorfälle und Experimente am MPI, will jedoch erst am Freitag Stellung nehmen.

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