Anleitung für den Alltag ist in Arbeit

HGF 01.02.2016
Eine Benimmfibel soll die leicht verständliche Anleitung für Asylbewerber nicht werden. Die Broschüre wird gerade im Staatsministerium erarbeitet.

Stuttgart. Derzeit gibt es keine offizielle und leicht verständliche Übersicht mit Hinweisen, die Flüchtlingen bei der Orientierung in der neuen Heimat hilft. Das Staatsministerium will den Mangel beheben mit einer Broschüre, die nicht als "Benimmfibel" verstanden werden, sondern "sympathisch rüberkommen" soll. Brüche zwischen den Kulturen sollen nach Informationen der SÜDWEST PRESSE "freundlich aufgezeigt" werden. Der Erscheinungstermin steht noch nicht fest.

In den Unterkünften hängen die Regierungspräsidien jetzt eine Nutzungsordnung aus, in der auch alltägliche Ratschläge für Flüchtlinge enthalten sind. "Eine Vertiefung findet durch die Beschäftigten und die Ehrenamtlichen auf dem Gelände bei unterschiedlichen Gelegenheiten statt", sagte Innenminister Reinhold Gall (SPD) auf eine Anfrage der CDU. Genannt wurden beispielhaft die Veranstaltungen der unabhängigen Sozial- und Verfahrensberatung. Dabei, so Gall, werde "mit Bildmaterial und/oder Dolmetschern anschaulich auf Verhaltensregeln hingewiesen".

Seit dem 25. November 2015 gilt ein Partizipations- und Integrationsgesetz. Paragraf 3 verlangt von allen hier lebenden Menschen die Einhaltung der Gesetze sowie die Anerkennung der "gemeinsamen Grundwerte", wie sie in Grundgesetz und Landesverfassung verankert seien. Dazu zählen die Gleichberechtigung der Geschlechter und das Prinzip der Demokratie.

Für die ehrenamtliche Arbeit ließ Gisela Erler, grüne Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung, über 60 000 Exemplare des Sammelwerks "Willkommen" verteilen. Pauschale Ratschläge für bestimmte Kulturkreise gebe es nicht, heißt es da. "Wenn Ihnen das Verhalten eines Flüchtlings ungewöhnlich erscheint, vergewissern Sie sich zunächst, ob dies in seinem Kulturkreis verankert ist", lautet eine Empfehlung.