Stuttgart Angeklagter will sich das Leben nehmen

Stuttgart / DL 03.03.2016
Der Angeklagte im Prozess um die brutale Bluttat auf dem Stuttgarter Pragfriedhof hat versucht, sich das Leben zu nehmen. Wie eine Sprecherin des Landgerichts bestätigte, wurde Stephane V. am Dienstagabend bewusstlos in seiner Gefängniszelle gefunden.

Der Angeklagte im Prozess um die brutale Bluttat auf dem Stuttgarter Pragfriedhof hat versucht, sich das Leben zu nehmen. Wie eine Sprecherin des Landgerichts bestätigte, wurde Stephane V. am Dienstagabend bewusstlos in seiner Gefängniszelle gefunden. Er sei in eine Klinik eingeliefert und auf der Intensivstation behandelt worden. Bereits am Mittwochmorgen sei er jedoch wieder ansprechbar gewesen, so die Sprecherin weiter. Er habe angegeben, Tabletten genommen zu haben. Um welche Substanzen es sich genau handelte, war zunächst unklar.

Dem 30-jährigen Stuttgarter wird vorgeworfen, die 21-jährige Lena W. am späten Abend des 9. September 2015 auf dem Friedhof mit Schlägen und Tritten umgebracht zu haben. Die beiden hatten sich einige Monate zuvor eine Wohnung geteilt, galten aber nicht als Liebespaar. Die Leiche war am Morgen zwischen Gräbern liegend gefunden worden. In einem Abschiedsbrief, den Wärter in V.s Zelle fanden, beteuerte der Angeklagte seine Unschuld. Dort steht außerdem: "Ich kann nicht mehr."

Bereits im Vorfeld des Prozesses hatte der gelernte Beikoch darauf gepocht, nicht der Täter zu sein. Einem Psychiater hatte er zudem gesagt, im Fall einer Verurteilung keinen Sinn mehr im Leben zu sehen. Sein Verteidiger hatte am Montag beim Verhandlungsauftakt dann einen Befangenheitsantrag gegen die Kammer gestellt: Die Richter seien voreingenommen, hätten im Angeklagten, einem vorbestraften Brandstifter und Betrüger, ihren Täter bereits ausgemacht. Die Beweislast spricht derweil gegen V.: An seiner Kleidung fanden die Ermittler Blut der Toten, am Tatort Knöpfe seines Hemdes.

Der Totschlagsprozess wurde am Mittwoch unterdessen ohne V. fortgesetzt. Das ist laut der Gerichtssprecherin in Ausnahmefällen möglich, etwa dann, wenn sich der Angeklagte, wie im vorliegenden Fall, selbst in den "Zustand der Verhandlungsunfähigkeit" versetze.