Manchmal lächelt der Angeklagte. Und auch der Vorsitzende Richter kann sich ein Grinsen nicht immer verkneifen. Etwa, als er von der Homepage des Bildhauers zitiert, der vor ihm sitzt: Als "einer der erfolgreichsten Kunstfälscher der Welt" preist sich der 56-Jährige dort an. Er habe schon viele große Auktionshäuser getäuscht. Und die Kunst, die er zum Kauf anbietet, ähnelt wieder fatal der des Schweizer Genies Alberto Giacometti.

Weil der mutmaßliche Fälscher solche Werke über Jahre hinweg auch mit den typischen Giacometti-Signaturen und Gießereistempeln versehen haben soll, sitzt er seit gestern in Stuttgart auf der Anklagebank.

Der 56-Jährige soll künstlerischer Kopf einer Betrügerbande gewesen sein, die über Jahre täuschend echte Skulpturen zu Millionen machte. In Deutschland sollen die Täter mit den Metall-Skulpturen, deren Materialwert jeweils um die 100 Euro lag, einen Schaden von acht Millionen Euro angerichtet haben. Zudem habe es Pläne gegeben, weitere 50 Millionen Euro zu erzielen.

Experten rücken den 56-Jährigen in die Nähe des zu sechs Jahren Haft verurteilten "Fälscherfürsten" Wolfgang Beltracchi.

Alberto Giacometti (1901-1966) gilt als teuerster Bildhauer der Welt. "Ich bin ein glühender Anhänger von Giacometti", sagt der Fälscher. Die Kunst des Schweizers sei "super-genial einfach".

Mehr als 1000 Plagiate wurden 2009 im Lager des Fälscherrings in Mainz gefunden. Am Vertrieb der Fälschungen sei er aber nicht beteiligt gewesen, sagt der Angeklagte. 1500 Plagiate habe man bei ihm bestellt. Viele der Skulpturen trugen die für Giacometti typischen Signaturen und ebenfalls gefälschte Stempel seiner Gießwerkstätten. Inzwischen sind die meisten eingeschmolzen.

Der Kunsthistoriker Henry Keazor hält den Fall für vergleichbar mit den großen Fälschungsskandalen. Schon, weil es den Versuch gegeben habe, der Kunstwelt einen glaubwürdigen Kontext für die Fälschungen zu liefern. Da kommt ein Mann ins Spiel, der sich als "Reichsgraf von Waldstein" und Freund von Alberto Giacomettis Bruder Diego ausgab. Kunstfreunden erzählte er, die Skulpturen stammten aus einem geheimen Fundus von Giacomettis Erben.

Der "Graf" wurde 2011 zu mehr als neun Jahren Haft verurteilt. Ersponnen hatten die Legende ein Mainzer Kunsthändler und seine Frau. Der Händler wurde vom Landgericht Stuttgart zu gut sieben Jahren Haft verurteilt. Mehrere Mitläufer erhielten Haftstrafen.

Fehlte nur der "Künstler" selbst, der aber seit 2004 in Thailand lebte. 2014 wurde er bei der Einreise in seine Heimat verhaftet.

Die Giacometti-ähnlichen Kunstwerke, die er im Internet anbiete, brächten nicht viel ein, sagt er. Konzentriert verfolgt er die Anklage, deren Verlesung zweieinhalb Stunden dauert. Grinsen tut er erst, als es um den Eintrag auf seiner Homepage geht. "Klingt doch gut", sagt er.

Betrug mit großen Namen

Giacometti Werke des Schweizer Bildhauers Alberto Giacometti (1901-1966) werden auf dem Kunstmarkt hoch gehandelt. Fälschungen lassen sich damit teuer verkaufen. Kunstfälscher fliegen immer wieder auf:

Kujau Konrad Kujau wurde berühmt durch die gefälschten Tagebücher von Adolf Hitler. Er jubelte 1983 dem "Stern"-Reporter Gerd Heidemann mehr als 60 Kladden unter, angeblich Original-Tagebücher des Diktators. Kujau war auch Kunstfälscher: Nach seiner Haft wegen der Hitler-Tagebücher kopierte er Künstler wie Salvador Dali und Marc Chagall. Diese signierte er mit dem Namen des echten Meisters und seinem Namen.

London-Duo Mindestens eine Million Pfund verdienten ein Londoner Kunstfälscher und sein Komplize mit Kopien von Werken von Ben Nicholson, Alberto Giacometti, Roger Bissière und Nicholas de Staël. In den 1990er Jahren flogen sie auf und wurden in London verurteilt. Die Betrüger hatten nicht nur die Auktionshäuser Sotheby's und Christie's getäuscht, sondern auch die Londoner Tate Gallery sowie das Victoria and Albert Museum.

Beltracchi Im Stil von Künstlern wie Max Ernst, Max Pechstein oder Fernand Léger fälschte Wolfgang Beltracchi Bilder, die diese nie gemalt hatten. Für den Verkauf dachte er sich mit seiner Frau Helene und zwei Komplizen Herkunftslegenden aus. Kunstexperten fielen auf den Schwindel herein. 2011 wurde Beltracchi zu sechs Jahren Haft verurteilt.