Kommunen Amtsarzt schickt Oppenweiler Bürgermeister in eine Klinik

Oppenweiler / Hans Georg Frank 06.02.2017

Wilfried Klenk, Vizepräsident des Landtags, hat in seiner Heimatgemeinde eine Anti-AfD-Aktion gestoppt. Der CDU-Abgeordnete ist in  Oppenweiler (Rems-Murr-Kreis) seit 1980 Gemeinderat, seit 23 Jahren auch Stellvertreter des Bürgermeisters. Weil Amtsinhaber Sascha Reber (37) durch heftige Attacken gegen die AfD und Besorgnis erregendes Verhalten auffiel, alarmierte Klenk die Kommunalaufsicht. Von Mitarbeitern und aus der Bevölkerung habe es „Hilferufe“ gegeben. Der Landrat in Waiblingen, Richard Sigel, schaltete den Amtsarzt ein, der eine Behandlung in einer Psychiatrieklinik in Stuttgart veranlasste.

Der Fall hatte sich rasch zugespitzt. Zunächst hatte Sascha Reber in seiner Neujahrsbotschaft das angeblich mangelhafte Interesse des AfD-Abgeordneten Jörg Meuthen an seinem Wahlkreis kritisiert. Es sei „eine Schande“, dass „der Professor aus Karlsruhe“ dieses Mandat erhalten habe.

Wortwahl entgleist

Dann hatte Reber auf seiner Facebook-Seite alle Bürgermeister aufgefordert, „gemeinsam gegen die AfD“ zu agieren. Mit den „friedlichen Mitteln unserer Demokratie“ sollte diese „kommunale Bewegung“ den „postfaktischen Argumenten der AfD“ begegnen. Angeblich erbringen die Abgeordneten keine eigenen Leistungen, profitieren vielmehr von der Arbeit in den Rathäusern. Die Kampagne mutete so glaubhaft an, dass einige Zeitungen darüber berichteten.

Wenig später entgleiste die Wortwahl. Er wollte die Partei „in die Mülltonne der Geschichte“ stecken, schrieb Reber auf Facebook. Beim Telefonat mit der SÜDWEST PRESSE kündigte er an: „Ich will die AfD in Deutschland vernichten.“ Und: „Ich zeige denen, was Guerillakrieg bedeutet.“ Bei einem Streitgespräch in der Gemeindehalle werde er „die Populisten enttarnen“. Details wollte er nur preisgeben, wenn ihm dafür die Titelseite freigeräumt werde. Die AfD wusste jedoch von nichts, mit ihr Bestand kein Kontakt, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage.

Vize-Bürgermeister Klenk untersagte die Redeschlacht, weil als politische Veranstaltung gegen die Hallenordnung verstoße. Wilfried Klenk führt nun die Verwaltung der Gemeinde mit 4200 Einwohnern. Er hat damit bereits Erfahrung, weil Reber bald nach seinem Amtsantritt im Sommer 2014 wegen Burnouts für ein halbes Jahr ausgefallen ist. Reber unterzog sich damals einer Therapie.

Anruf aus der Klinik

Aus der Psychiatrie rief Reber am Freitag spätabends in unserer Heilbronner Redaktion an, die unverzüglich eine Befreiung mit Hilfe eines Richters organisieren sollte: „Ich wurde abgeholt wie ein Verbrecher.“ Er sei „das Opfer einer Intrige“.

 „Das ist tragisch, sehr, sehr schlimm“, sagte Klenk unserer Zeitung über die vermutete psychische Erkrankung des hauptamtlichen Bürgermeisters, der Vater von drei kleinen Kindern ist. „Wir müssen Sascha Reber jetzt schützen“, ist für den Christdemokraten die vordringliche Aufgabe. Weil allem Anschein nach nicht abzuschätzen war, welche Auswirkungen die Angriffe auf die AfD in deren Umfeld haben könnten, war die Polizei eingeschaltet. Sogar zur Gemeindehalle war vorsorglich ein Streifenwagen beordert worden, obwohl die angedachte Redeschlacht gar nicht publik gemacht worden war.