Freiburg Am Dienstag Plädoyers im Prozess um Alessio

LSW 05.10.2015
Der Prozess um den qualvollen Tod des dreijährigen Alessio nähert sich seinem Ende. Am Dienstag, sollen vor dem Landgericht Freiburg die Plädoyers gehalten werden. Die Beweisaufnahme sei weitgehend abgeschlossen, sagte ein Gerichtssprecher.

Der Prozess hatte Mitte September begonnen. Angeklagt ist der Stiefvater des getöteten Jungen. Der 33 Jahre alte Landwirt hatte zum Prozessauftakt zugegeben, Alessio geschlagen zu haben. Der Dreijährige war dabei verletzt worden und kurze Zeit später gestorben. Die Tat hatte sich Mitte Januar auf dem Bauernhof der Familie in Lenzkirch bei Freiburg ereignet.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Totschlag und mehrfache schwere Kindesmisshandlung vor. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. Ein psychiatrischer Gutachter hatte in der Verhandlung ausgesagt, der Stiefvater des Buben sei seiner Ansicht nach voll schuldfähig. Dieser hatte ausgesagt, aus Angst vor dem Jugendamt, aus Enttäuschung und Überforderung den Dreijährigen geschlagen zu haben.

In der Kritik steht in dem Fall das zuständige Jugendamt. Es soll Warnungen ignoriert und Alessio nicht ausreichend geschützt haben. Obwohl Kinderärzte und Staatsanwälte davor warnten, ließ die Behörde den kleinen Jungen in der Familie und allein beim Stiefvater, als die Mutter zur Kur und später in einer Klinik war.

Nachdem mehrere Bürger Anzeige erstattet haben, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen möglichen Behördenversagens. Diese Untersuchungen dauern den Angaben zufolge aber noch an.