Flughafen Airport Stuttgart will den Kerosin über Pipeline transportieren

Die Grafik zeigt die geplante Kerosin-Pipeline zum Flughafen Stuttgart.
Die Grafik zeigt die geplante Kerosin-Pipeline zum Flughafen Stuttgart. © Foto: SWP-Grafik Döhring/dpa, Quelle Stepmap.de/ Material: Open Street Map
Leinfelden-Echterdingen / RAIMUND WEIBLE 11.04.2014
Das Genehmigungsverfahren für eine Kerosin-Pipeline zum Flughafen Stuttgart ist angelaufen. Der Airport will die bisherige Versorgung per Tankwagen auf einen Rohrtransport umstellen – bis 2017.
Flughafen-Chef Georg Fundel beschwichtigt: Bei diesem Projekt müsse „niemand Schaum vor dem Mund haben“, Fundel weiß, dass sein Plan einer Kerosin-Pipeline Ängste und Befürchtungen wecken könnte. Dass es Vorbehalte und Vorurteile gibt, und dass es einiger Überzeugungskraft bedarf, um alle diese Vorbehalte gegenüber dem Projekt auszuräumen.

Am Donnerstag hat das Regierungspräsidium Stuttgart das Genehmigungsverfahren für die Pipeline offiziell auf den Weg gebracht. Bei einem Treffen in der Behörde setzte sie die so genannten Träger öffentlicher Belange, darunter Gemeinden und Landkreise, über das Vorhaben in Kenntnis. Einen Tag zuvor hatte Fundel im Terminal 1 Informationen über das Projekt geboten. Die Resonanz war aber verhalten: Etwa 60 Bürger waren gekommen, weitere 200 verfolgten die Veranstaltung am Computer. Sie wurde über das Internet übertragen.

Bisher wird der Stuttgarter Flughafen per Tanklaster mit Flugbenzin versorgt. Im vergangenen Jahr benötigten die Airlines 220 Millionen Liter Kerosin. Jährlich 6500 Tanklaster liefern ihr Gut in Echterdingen ab – pro Tag 30 Fuhren. Etwa zwei Drittel des Bedarfs stammen vom Tanklager Heilbronn, ein Drittel kommt vom Neckarhafen Plochingen. Das Lager Heilbronn wird 2017 geschlossen. Das war der Auslöser für die Flughafen GmbH, nach einer neuen Lösung zu suchen. Eine Lösung, die den Transport des Treibstoffs auf der Straße beendet oder zumindest spürbar verringert. Nach derzeitigem Stand ist die Belieferung per Rohrleitung billiger als durch Tankwagen. Der Aufsichtsrat der Flughafen GmbH, dem der grüne Verkehrsminister Winfried Hermann vorsitzt, hat sich für eine Pipeline entschieden.

Dabei spielt eine große Rolle, dass es bereits eine Röhre gibt, die in greifbarer Entfernung am Flughafen vorbeiführt: Ein Strang des Mitteleuropäischen Pipeline-Systems, der von Kehl nach Aalen verläuft. Diese auch Nato-Pipeline genannte Rohrleitung passiert den Norden von Reutlingen und geht dann östlich an Wendlingen (Kreis Esslingen) vorbei.

Am liebsten hätte Fundel die Zuleitung entlang der künftigen ICEStrecke Stuttgart–Ulm geführt. Doch da blockte die Bahn. Sie fürchtet, bei einem Zugunglück könnte sich der Zug ins Erdreich bohren und die Pipeline beschädigen. Ebenfalls ausgeschlossen ist eine Verlegungen entlang von Stromleitungen, weil sich der kathodische Korrosionsschutz der Pipeline nicht mit Stromtrassen verträgt.

Die Flughafen GmbH hat eine Reihe von Varianten angeschaut. Inzwischen versteifte sie sich auf zwei mögliche Korridore. Von diesen beiden Varianten favorisiert Fundel die kürzere. Sie führt von Oberboihingen westlich von Kirchheim/Teck parallel der Autobahn 8 zum Flughafen. Länge: 19 Kilometer. Die andere ist zehn Kilometer länger, beginnt bei Reutlingen-Rommelsbach und führt entlang des Zubringers zur B 27 und dann parallel der B 27 nach Filderstadt-Sielmingen. Die Flughafen GmbH rechnet mit zehn Millionen Euro Kosten. 2016 will sie mit dem Bau beginnen. Wird die Planung eingehalten, läuft das Kerosin 2017 durch die Pipeline.

Die neue Pipeline wird komplett in den Boden verlegt. Die Leitung mit 7,1 bis 8,0 Millimeter Wanddicke verläuft 1,20 Meter unter der Erdoberfläche. Eines ist klar: Sie wird zahlreiche Grundstücke durchschneiden. Von all den Grundstückseignern muss sich der Flughafen die Genehmigung dafür einholen. Dies läuft innerhalb des Raumordnungsverfahrens.

Sollten sich währenddessen unüberwindbare Hindernisse aufbauen, würde die Flughafen GmbH ihre Pläne begraben. Dann würde der Flughafen weiterhin über die Straße versorgt. „Das wäre kein Weltuntergang“, sagt Fundel. Doch er will für die seiner Ansicht nach bessere Lösung kämpfen.

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