Ellwangen AfD-Protest gegen LEA kleiner als gedacht

Ellwangen / Nadine Vogt 22.09.2018

Der große Veranstaltungsplatz nahe der Ellwanger Innenstadt ist an diesem Vormittag abgesperrt. Die Polizei ist mit einem großen Aufgebot vor Ort, eine kleine Bühne ist aufgestellt. Rechts und links hängen die blau-weiß-roten Plakate der AfD. Auf dem Platz haben sich einige Menschen versammelt, ausgestattet mit Deutschlandfahnen. Angekündigt waren 300 bis 500 Demonstranten, letztlich sind es um die 120 AfD-Anhänger und Sympathisanten. Der große Ansturm am Schießwasen bleibt aus.

Die Alternative für Deutschland hatte zur Kundgebung und Demonstration gegen eine Verlängerung der Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (LEA) aufgerufen. „5 Jahre LEA sind genug“ ist das Motto der Veranstaltung. Als sich der überschaubare Demonstrationszug in Richtung Innenstadt in Bewegung setzt, rufen Einzelne immer wieder „Die LEA muss weg“.

LEA seit 2015

In der 24.000-Einwohner-Stadt wurde 2015 auf einem ehemaligen Kasernengelände eine Erstaufnahmestelle für Geflüchtete eingerichtet. Rund 600 Menschen leben derzeit dort. Der Vertrag mit dem Land läuft noch bis 2020. Ellwangens Gemeinderat will noch in diesem Jahr über eine mögliche Verlängerung der LEA-Laufzeit beraten. Das bestätigt Oberbürgermeister Karl Hilsenbek am Samstag am Rande der Initiative „Ellwangen ist bunt“. Denn zeitgleich zur AfD-Demonstration versammelten sich in der Ellwanger Innenstadt mehr als 500 Menschen zur Gegenbewegung. Mit auffallenden Plakaten, bunten Luftballons und Musik. Ein Zeichen für Vielfalt und gegen Rassismus.

„Ellwangen zeigt heute Flagge“, sagt der parteilose Oberbürgermeister. Ellwangen sei „eine Stadt ohne Rassismus“. Das zeige die Gegendemo am Fuchseck: „Weil bei uns Integration schon immer selbstverständlich war.“ Die Kundgebung der AfD habe aus seiner Sicht keine Bedeutung, was die Entscheidung für oder gegen eine Verlängerung der LEA angeht. „Die Demo der AfD brauchen wir nicht“, sagt er. „Der Gemeinderat weiß, in welcher Verantwortung er ist.“

Veranstaltungen verlaufen friedlich

Beide Veranstaltungen verliefen friedlich. Nachdem der AfD-Demonstrationszug seine Runde über die B290, in Richtung Innenstadt gedreht hat, ging es zurück auf den Schießwasen. Gegen Ende der Kundgebung verwiesen die Organisatoren unter „Hau ab“- und „Verunglimpfungs“-Rufen einen Fotojournalisten vom Gelände. Er soll einem Demonstranten ins Gesicht fotografiert haben.

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